Andacht zu Erntedank

Frank Thomaschewski

EINGANGSVOTUM UND GRUß

Im Namen Gottes, den wir erfahren
als Schöpfer, Erlöser und Lebenskraft.
Amen.
Unsere Hilfe finden wir bei Gott,
der Himmel und Erde gemacht hat.

WOCHENSPRUCH – Psalm 145, 15

Aller Augen warten auf dich,
und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

AUS PSALM 104 (Basisbibel)

Lobe den HERRN, meine Seele!
HERR, mein Gott, wie groß bist du!
Frisches Quellwasser schickst du die Täler hinab.
In Bächen fließt es zwischen den Bergen dahin.
Alle Tiere auf dem freien Feld trinken daraus,
auch die Wildesel löschen dort ihren Durst.
Für das Vieh lässt du saftiges Gras wachsen
und Getreide für den Ackerbau des Menschen.
So wird Brot aus der Erde hervorgebracht
und Wein, der das Menschenherz erfreut.
Mensch und Tier halten Ausschau nach dir.
Du gibst ihnen Nahrung zur richtigen Zeit.
Du streust sie aus, sie sammeln auf.
Du öffnest deine Hand,
sie essen sich satt an deinen guten Gaben.
Ich will den HERRN loben mein Leben lang!
Meinem Gott will ich singen, solange ich bin!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit
und in Ewigkeit. Amen.

GEBET DES TAGES

Schöpfer Gott,
wir danken dir für das tägliche Brot,
für die reiche Ernte, die uns satt macht,
für Arbeit und Freizeit und Feiertage.
Wir danken dir und preisen deinen Namen.
Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

LESUNG UND MEDITATION ZU 5. Mose 8 (Basisbibel)

Der HERR, dein Gott,
bringt dich in ein gutes Land.
Dort gibt es Flüsse, Quellen und Seen,
in den Tälern und in den Bergen.
Weizen wächst dort und Gerste und Wein.
Die Bäume tragen Feigen und Granatäpfel.
Es ist ein Land reich an Oliven und Honig.
Dort wirst du nicht armselig dein Brot kauen.
Nichts wird dir fehlen.
Dieses Land ist reich an Bodenschätzen.
Im Gestein findet man Eisen,
und in seinen Bergen
kannst du nach Kupfer graben.
Wenn du isst und satt wirst,
dann danke dem HERRN, deinem Gott!
Er hat dir dieses gute Land gegeben.

So heißt es im 5. Buch Mose
mit Blick auf das Land,
das das Volk Israel als das „gelobte Land“ ansah.
Wir blicken uns um und sehen:
Auch unser Land ist ein „gelobtes Land“.
Wie alle Länder dieser Welt für ihre Völker.
Auch wir haben um uns herum all das,
was wir zum Leben benötigen.
Neben dem Wasser, dem Weizen, der Gerste
und – mit Abstrichen in dieser Gegend – dem Wein
können wir dankbar sein für Kartoffeln,
für Äpfel, Birnen und Quitten,
für Zuckerrüben und Mais,
für Wirsing, Kohl und Möhren
und viele weitere Sorten von Gemüse und Obst,
die unseren Speiseplan bunt und vielfältig machen.
Viele sind auch dankbar für das,
was wir an Nahrungsmitteln Tieren verdanken.
Milch und Honig, Käse und Wurst,
Schnitzel und Braten.
Und Bodenschätze haben auch wir:
Nicht nur Kohle und Erdgas
– wir sehen die Zweischneidigkeit dieser Gaben.
Ich denke weniger an Gold und Edelsteine,
ich denke zum Beispiel
an seltene Erden und Lithium.
Wir benötigen sie für Handys und ihre Akkus.
Viele sind dafür froh und dankbar.
Für all das danken wir Gott,
wie es das Volk Israel getan hat.
Wir lesen weiter im 5. Buch Mose:

Pass auf und vergiss den HERRN,
deinen Gott, nicht!
Übertritt nie seine Gebote,
Bestimmungen und Gesetze,
die ich dir heute verkünde!
Denn Wohlstand kann gefährlich werden:
Du isst und wirst satt.
Du baust dir wunderschöne Häuser
und wohnst darin.
Deine Rinder und Schafe vermehren sich.
Du häufst Berge von Silber und Gold an
und gewinnst in allem immer mehr.
Dann kann dein Herz überheblich werden,
und du vergisst den HERRN, deinen Gott.
Dabei hat er dich doch aus Ägypten geführt,
aus dem Leben in der Sklaverei.
Er führte dich
durch die große und schreckliche Wüste.
Dort gab es giftige Schlangen und Skorpione,
nur Trockenheit und kein Wasser.
Er aber ließ Wasser für dich hervorquellen
aus dem härtesten Felsen.
Er gab dir in der Wüste Manna zu essen,
das deine Vorfahren nicht kannten.
So zeigte er dir, wie sehr du ihn brauchst.
Er prüfte dich,
um dich danach mit Gutem zu belohnen.
Du kannst dir natürlich einreden:
»Meine eigene Stärke und die Kraft meiner
Hände haben mir diesen Reichtum verschafft.«
Aber nein,
du sollst an den HERRN, deinen Gott, denken!
Er hat dir die Kraft gegeben,
damit du reich wurdest.
Er hat sich bis heute an den Bund gehalten,
den er deinen Vorfahren geschworen hatte.

Auch das kennen wir.
Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben.
Wir haben hart gearbeitet
und können die Früchte dieser Arbeit ernten.
Wir haben unseren Wohlstand doch vor allem
unserem Fleiß, unserem Engagement,
unseren Talenten und Fähigkeiten zu verdanken.
Haben wir das?
Wem verdanken wir das alles wirklich?
Unsere Talente und Fähigkeiten?
Gaben Gottes.
Die Dinge, die wir zum Leben brauchen?
Gaben Gottes.
Die Grundlagen unseres Wohlstands?
Gaben Gottes.
Wir verdanken uns nicht uns selbst.
Wir verdanken uns Gott.
Lasst uns das nicht vergessen.
Lasst uns Gott immer wieder danken
für alles, was uns, unser Leben,
unseren Wohlstand ausmacht.
Und lasst uns nicht vergessen:
Wohlstand ist nicht nur Gabe,
sondern auch Aufgabe.
Nicht alle haben genug zum Leben und Überleben.
Erntedank zeigt sich in Dankbarkeit gegenüber Gott.
Und Erntedank zeigt sich im Teilen mit denen,
die darauf angewiesen sind.
Amen.

FÜRBITTENGEBET

Gott, des Lebens,
wir feiern das Erntedankfest
sind froh und dankbar,
dass wir genug haben zum Leben.
Aber wir sehen auch die vielen Menschen,
die nicht unbeschwert mitfeiern können.
Menschen, die aufgrund der Pandemielage
Einkommenseinbußen hinnehmen müssen.
Menschen, die aufgrund des Hochwassers
Hab und Gut,
oft sogar das eigene Heim verloren haben.
Menschen, die in ihrer Heimat nicht genug zum
Leben und Überleben vorfinden.
Wir sehen diese Menschen.
Lass uns nicht wegsehen, sondern genau hinsehen.
Lass uns Ideen entwickeln,
wie diesen Menschen geholfen werden kann,
wie wir selbst ihnen helfen können.
Lass unsere Dankbarkeit dazu führen,
dass wir, die wir oft mehr als genug haben,
teilen mit denen, die zu wenig haben.
Das wäre eine gute Form, Erntedank zu feiern.
Amen.

VATERUNSER

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

SEGEN

Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns
und gebe uns Frieden.
Amen.