Jahreslosung

Seid barmherzig. Das mag für manche etwas verstaubt klingen. Barmherzigkeit ist ein Wort, das nicht zum Sprachgebrauch einer 14-jährigen gehört. Sie würde vermutlich  „sozial“ sagen. Barmherzigkeit kommt eher geschrieben als gesprochen vor. Oder in der Kirche bzw. deren Grundlage, der Bibel. Die Jahreslosung der christlichen Kirchen für 2021 lautet so: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Jesus gibt diesen schlichten Rat ursprünglich seinen Freundinnen und Freunden. So alt und fremd der Begriff „Barmherzigkeit“ für manche unter uns auch klingen mag, die Bedeutung ist sehr aktuell. In dem Wort stecken „Arm“ und „Herz“. Mit den Begriffen lässt sich spielen. Wer barmherzig ist, braucht starke Arme und ein großes Herz. Oder: Barmherzigkeit zeigt, wer ein Herz für die Armen hat. Barmherzigkeit passt in unsere Zeit. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, ist sich sicher, dass barmherziges Handeln im Jahr 2021 dringend gebraucht wird. "In diesem Pandemie-Jahr ist Barmherzigkeit eine zentrale Ressource, an der sich entscheidet, ob wir geschwächt oder gestärkt aus dieser Erfahrung hervorgehen", sagt er. Barmherzig sein, das kann also bedeuten: Mitgefühl zeigen, Rücksicht aufeinander nehmen, Regeln respektieren oder versuchen, einander zu vergeben. Sicherlich fallen Ihnen noch eigene Beispiele ein.  „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Lassen wir auch den zweiten Teil in uns wirken. Gott, unser Vater, ist barmherzig. So ist Gott. So erzählt Jesus von ihm. Gott hat ein Herz für Arme. Bedürftig sind wir alle. Angewiesen auf andere, gehen wir in das neue Jahr. Gott fasst sich ein Herz für uns. Das rückt die Aufgabe für uns in ein freundliches Maß. Wir haben ein Jahr lang Zeit, Barmherzigkeit zu üben. Und zwischendurch, am Sonntag, üben wir nicht, sondern feiern wir Gott.  In diesem Sinne: ein gesegnetes 2021.

Ihre Pfarrerin Sabine Breithaupt-Schlak