Hausandacht zu Christi Himmelfahrt

von Frank Thomaschewski

 

Votum

Im Namen Gottes, der uns begegnet als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen. Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Spruch des Tages – Johannes 12, 32:

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

 

Psalm 47 (Neue Genfer Übersetzung)

Ihr Völker auf der ganzen Welt, klatscht in die Hände! Lobt Gott und lasst euren Jubel laut hören!

Denn der Herr, der Höchste, ist ehrfurchtgebietend. Er ist ein mächtiger König über die ganze Welt.

Er hat andere Völker unserer Herrschaft unterstellt, ganze Nationen legte er uns zu Füßen.

Das Land, in dem wir wohnen, hat er für uns ausgewählt als Erbbesitz. Es erfüllt ganz Israel, dem Gottes Liebe gilt, mit Stolz.

Unter dem Jubel seines Volkes ist Gott wieder in den Himmel emporgestiegen, der Schall der Posaunen begleitet ihn, den Herrn.

Singt, ja, singt Psalmen für unseren Gott! Singt und musiziert für ihn, unseren König!

Denn Gott ist König der ganzen Welt. So singt und spielt für ihn ein kunstvolles Lied!

Gott herrscht als König über alle Völker der Erde, er hat sich auf seinen heiligen Thron gesetzt.

Mächtige Herrscher aus anderen Völkern versammeln sich, sie alle vereinen sich zu einem Volk, das zum Gott Abrahams gehört.

Denn alle Könige auf der Erde gehören Gott, er allein ist hoch erhaben.

 

Gebet

Wie ein großes Zelt hast du, Gott, den Himmel über uns gespannt. Über unsere Welt,

über unsere Zeit,

über unser Leben.

Dein Himmel, das Zelt,

das uns behütet,

das uns beschützt,

das uns birgt.

Und das uns doch nicht einengt,

sondern das unseren Blick weitet

für alles, was du uns schenkst

wie im Himmel, so auf Erden.

Dank sei dir, Gott.

Alle Zeit und in allen Landen. Amen.

 

Lesung aus Apostelgeschichte 1 (Basisbibel)

Nach seinem Leiden

zeigte Jesus sich den Aposteln immer wieder

und bewies ihnen so, dass er lebt.

Vierzig Tage lang erschien er ihnen

und sprach zu ihnen über das Reich Gottes.

Einmal, als Jesus mit den Aposteln zusammensaß,

schärfte er ihnen ein:

»Verlasst Jerusalem nicht!

Wartet darauf, dass in Erfüllung geht,

was der Vater versprochen hat.

Ihr habt es ja schon von mir gehört:

Johannes hat mit Wasser getauft.

Aber ihr werdet in wenigen Tagen

mit dem Heiligen Geist getauft werden.«

Da fragten ihn die Versammelten:

»Herr, stellst du dann

das Reich für Israel wieder her?«

Jesus antwortete ihnen:

»Ihr braucht die Zeiten und Fristen nicht zu kennen.

Mein Vater allein hat sie

in seiner Vollmacht festgelegt.

Aber wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt,

werdet ihr Kraft empfangen.

Dann werdet ihr meine Zeugen sein –

in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien

und bis ans Ende der Erde.«

Nach diesen Worten

wurde er vor ihren Augen emporgehoben.

Eine Wolke nahm ihn auf,

sodass sie ihn nicht mehr sehen konnten.

Die Apostel starrten wie gebannt zum Himmel,

während er verschwand.

Und sieh doch:

Da standen zwei weiß gekleidete Männer bei ihnen.

Die sagten:

»Ihr Männer aus Galiläa,

was steht ihr da und schaut zum Himmel?

Dieser Jesus wurde aus eurer Mitte

in den Himmel aufgenommen.

Er wird auf dieselbe Weise wiederkommen,

wie er vor euren Augen

zum Himmel weggegangen ist.«

 

Gedanken zu Christi Himmelfahrt

Was ist der Himmel? Die unendlich blauen Weiten

über uns oder die wunderbaren Momente, in denen

wir den Himmel auf Erden erleben, in denen wir

glücklich sind?

Wenn wir Christi Himmelfahrt feiern, erinnern wir an

den Abschied Jesu von seinen Jüngern 40 Tage nach

seiner Auferstehung. Er kehrt zurück zu Gott.

Er ist aber auch unter uns, „wo zwei oder drei in seinem

Namen versammelt sind“ (vgl. Matthäus 18, 20).

Schließlich werden auch die Freunde Jesu bei der

Himmelfahrt von den Engeln – vermutlich mit Vorwurf

in der Stimme – gefragt: „Was steht ihr da und

schaut in den Himmel?“

Die Frage an die Jünger gilt auch uns. Im Hier und

Jetzt, in unserer Gegenwart können wir etwas vom

Himmel erfahren: in dem Glanz auf den Gesichtern

unserer Mitmenschen, in Momenten der Freude und

der Liebe, in denen wir eins sind mit Gott und Menschen.

Aber es bleibt auch dann die Rede von Jesus im Himmel,

zur Rechten Gottes, des Vaters. Allerdings ist

nicht einfach der Himmel über den Wolken zu verorten.

Es geht nicht um einen Ort, der irgendwo im

Weltall zu lokalisieren wäre. Es geht um Gottes Bereich.

Es geht um die Sphäre dessen, dem sich kein

Mensch nähern kann. Der so ganz anders ist. „Gott

wohnt in einem Lichte, dem keiner nahen kann“, hat

Jochen Klepper gedichtet.

Einer hat sich nahen können: Jesus, der zwar zur göttlichen

Sphäre gehört, der dahin aber auch seine

Menschlichkeit mitbringt.

Mir geht seit Jahren ein Zitat des westfälischen Theologen

Ralf Stolina nicht aus dem Sinn, wenn ich

über Himmelfahrt nachdenke:

Ich feiere an Himmelfahrt,

dass in Gottes Himmel

ein menschliches Herz schlägt.

Hier verbinden sich für mich Himmelfahrt und Weihnachten.

Gottes Liebe ist an Weihnachten Mensch

geworden. Menschliches Leid ist seit Karfreitag, Ostern

und Himmelfahrt in Gottes Sphäre kein

Fremdwort. Gott hat es mit durchlitten. Wenn wir

Weihnachten feiern, dass Gott in Jesus menschliche

Gestalt annimmt, so kehrt an Himmelfahrt mit Jesus

auch dessen Menschlichkeit in die Sphäre Gottes zurück.

Gott ist nicht nur der vollkommen Erhabene

und Unnahbare. Er hat in der Person Jesu Christi

menschliche Liebe und menschliches Leid erfahren.

In beidem ist er uns nahe.

Es geht an Himmelfahrt also nicht nur um den Himmel,

den wir auf Erden – mal länger, mal kürzer –

erleben können. Es geht auch darum, dass Gott und

Mensch einander nahe sein können – in Liebe und

Leid. Es geht darum, „dass in Gottes Himmel ein

menschliches Herz schlägt“.

Amen.

 

Fürbittengebet

Himmel.

Wie viel Gutes kommt uns in den Sinn,

wenn wir daran denken.

Himmel. Heimat. Zuhause.

Wir danken dir, Gott,

für unseren, für deinen Himmel

und für alles, was er für uns bedeutet.

Wir danken dir für den Himmel,

den du über uns aufgehen lässt.

Für Große und Kleine, für Junge und Alte.

für jeden Menschen, für jedes Geschöpf,

für jedes Leben.

Wir bitten dich, Gott:

Öffne den Himmel

und lass dein Licht sehen

alle,

in deren Häusern und Herzen

Dunkelheit eingekehrt ist;

die etwas erfahren haben,

das ihnen Angst macht,

die etwas aufgeben mussten,

worauf sie gehofft hatten,

die jemanden verloren haben,

der ihnen etwas bedeutet hat.

Öffne den Himmel

und lass deine Nähe spüren,

alle,

die allein und einsam sind,

die niemanden haben,

der mit ihnen redet und der ihnen zuhört,

der sich für sie Zeit nimmt

und da ist, wenn er gerufen wird.

Öffne den Himmel

und lass deine Liebe erfahren

alle,

die nicht beachtet,

nicht ernst genommen,

nicht wertgeschätzt werden;

die auf ein freundliches Wort warten,

ein liebevolles Lächeln,

eine Geste der Zuneigung.

Öffne den Himmel

und lass deine Herrlichkeit schauen

alle,

deren Tage auf Erden zu Ende gehen

und die darauf hoffen,

dass für sie wahr wird,

was sie Zeit ihres Lebens geglaubt haben.

Öffne den Himmel

und lass uns alle

unseren Blick auf dich richten, Gott.

Lass uns dich sehen.

Mitten unter uns.

In aller Nähe, die wir erfahren

und in aller Liebe, die wir einander schenken.

Amen.

 

Vaterunser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Gott, segne uns und behüte uns.

Gott, lass dein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Gott, erhebe dein Angesicht über uns

und gib uns Frieden.

Amen.