ANDACHT ZUM 15. SONNTAG NACH TRINITATIS

Sonntag, 12. September 2021

Frank Thomaschewski 

Votum

Im Namen Gottes, der uns begegnet als Vater, Sohn und Heilige Geistkraft.
Amen.
Unsere Hilfe finden wir bei Gott, der Himmel und Erde gemacht hat.

Wochenspruch – 1. Petrus 5,7:

Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.

Aus Psalm 127 (Basisbibel)

Wenn nicht der Herr das Haus baut,
nützt es nichts, dass sich die Bauleute anstrengen.

Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht,
nützt es nichts, dass der Wächter wachsam bleibt.

Es nützt euch nichts, dass ihr früh am Morgen aufsteht
und euch erst spät wieder hinsetzt.

Ihr esst doch nur das Brot,
für das ihr unermüdlich arbeitet.

Doch seinen Freunden schenkt
der Herr einen ruhigen Schlaf.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist.

Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Gebet

Du hast uns geschaffen, Gott,
um die Erde zu bebauen und zu bewahren
und als deine Ebenbilder zu leben –
in guter Gemeinschaft mit dir
und unseren Mitmenschen.
Wir bitten dich:
Steh uns bei in unserem bruchstückhaften Bemühen,
in deinem Geist zu handeln,
dir zu vertrauen
und unseren Nächsten hilfreich zur Seite zu stehen.
Was uns Sorge und Mühe bereitet,
hilf uns zu tragen
und nimm es in deine Hände.
Dir, dem dreieinigen Gott, sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

Lesung aus Matthäus 6 (Basisbibel)

Jesus sprach: Ich sage euch:
Macht euch keine Sorgen um euer Leben –
was ihr essen oder trinken sollt,
oder um euren Körper – was ihr anziehen sollt.
Ist das Leben nicht mehr als Essen und Trinken?
Und ist der Körper nicht mehr als Kleidung?
Seht euch die Vögel an!
Sie säen nicht, sie ernten nicht,
sie sammeln keine Vorräte in Scheunen.
Trotzdem ernährt sie euer Vater im Himmel.
Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
Wer von euch kann dadurch,
dass er sich Sorgen macht,
sein Leben nur um eine Stunde verlängern?
Und warum macht ihr euch Sorgen,
was ihr anziehen sollt?
Seht euch die Wiesenblumen an:
Sie wachsen, ohne zu arbeiten
und ohne sich Kleider zu machen.
Ich sage euch:
Nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit
war so schön gekleidet wie eine von ihnen.
So schön macht Gott die Wiesenblumen.
Dabei gehen sie an einem Tag auf
und werden am nächsten Tag im Ofen verbrannt.
Darum wird er sich noch viel mehr um euch kümmern.
Ihr habt zu wenig Vertrauen!
Macht euch also keine Sorgen!
Fragt euch nicht: Was sollen wir essen?
Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen?
Um all diese Dinge dreht sich das Leben der Heiden.
Euer Vater im Himmel weiß doch,
dass ihr das alles braucht.
Strebt vor allem anderen
nach seinem Reich und nach seiner Gerechtigkeit –
dann wird Gott euch auch das alles schenken.
Macht euch also keine Sorgen um den kommenden Tag
– der wird schon für sich selber sorgen.
Es reicht, dass jeder Tag
seine eigenen Schwierigkeiten hat.«

Lied: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ eg 503

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben,
sich ausgeschmücket haben.

Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide;
Narzissus und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an
als Salomonis Seide,
als Salomonis Seide.

Die Lerche schwingt sich in die Luft,
das Täublein fliegt aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder;
die hoch begabte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder,
Berg, Hügel, Tal und Felder.

Ach, denk ich, bist du hier so schön
und lässt du’s uns so lieblich gehen
auf dieser armen Erden:
Was will doch wohl nach dieser Welt
dort in dem reichen Himmelszelt
und güldnen Schlosse werden,
und güldnen Schlosse werden!

Paul Gerhardt

Predigt

  • „Schütt’ die Sorgen in ein Gläschen Wein…“ – „Don’t worry, be happy“ – „Sorge dich nicht, lebe“ – „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“… Der Wunsch nach einem Leben ohne Sorgen ist immer da. Und verschiedene Lösungsmöglichkeiten werden angeboten. Allerdings gibt es keine Patentrezepte. Der Alkohol ist sicherlich keines.
  • Es gibt genug zu „besorgen“. Es ist kaum aufzuzählen, worüber sich Menschen hier und in der ganzen Welt im Moment Sorgen machen: Pandemie, Klima, Zerrissenheit der Gesellschaft, Folgen des Hochwassers… wo soll man anfangen und wo aufhören? Und selbst die Zeiten, in denen man sonst etwas sorgloser leben konnte, werden von Sorgen überschattet: im Urlaub oder in der Jugend und Kindheit.
  • Insofern hören wir Jesu Aufforderung, uns nicht zu sorgen im Moment eher distanziert. Wie soll das gehen? Jesus spricht von der Sorglosigkeit der Vögel. Ob ihm da nicht einige der Zuhörenden einen solchen gezeigt haben? Keine Vorsorge treffen? Gab es nicht auch bei Jesus und den Seinen einen, der die Kasse verwaltete? Wie konsequent ist das denn?
  • Klar, einfach so in den Tag hinein leben, das funktionierte damals nicht und heute erst recht nicht. Man muss schon die eine oder andere Vorsorge treffen. Aber was ist „normale Vorsorge“ und was ist des Guten zu viel? Was tun wir, um zu leben und zu überleben? Was tun wir, um einfach mehr und mehr zu haben – mehr als wir und unsere Lieben benötigen.
  • Was ist wichtiger? „Sein“ oder „Haben“?
  • Martin Luther hat festgestellt: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“. Woran hänge ich mein Herz? An Reichtum? An mein Handy? Lebe ich, um zu arbeiten, oder arbeite ich, um zu leben?
  • Wenn man nur auf das schaut, was man hortet, und vergisst zu leben, dann stimmt etwas nicht mit der Balance.
  • Wir müssen schon tun, was notwendig ist. Aber wir müssen auch lernen zu unterscheiden, was wirklich wichtig ist. Wir sollen im Vertrauen auf Gott die Schritte tun, die nötig sind. Und manchmal darf man mal auch den Müßiggang pflegen, der nicht aller Laster Anfang ist, sondern genauso wichtig wie Vorsorge und tätige Nächstenliebe – die ist auch nicht zu vergessen.
  • Wir können und wir sollen im Vertrauen auf Gott erlöst und befreit, nicht von Sorgen niedergedrückt durchs Leben gehen – nicht blind für die Probleme, aber auch nicht von ihnen geblendet.

Hanns Dieter Hüsch:

Ich bin vergnügt
erlöst
befreit
Gott nahm in seine Hände
Meine Zeit
Mein Fühlen Denken
Hören Sagen
Mein Triumphieren
Und Verzagen
Das Elend
Und die Zärtlichkeit

Was macht dass ich so fröhlich bin
In meinem kleinen Reich
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich

Was macht dass ich so furchtlos bin
An vielen dunklen Tagen
Es kommt ein Geist in meinen Sinn
Will mich durchs Leben tragen

Was macht dass ich so unbeschwert
Und mich kein Trübsinn hält
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
Wohlüber alle Welt

Fürbitten

Guter Gott,
wir sollen uns nicht über Gebühr Sorgen machen,
aber es gibt schon das eine oder andere,
vor allem auch den einen oder die andere,
um die wir uns sorgen.

All das und all die vertrauen wir dir an.
Du hast diese Welt ins Leben gerufen
und jeden einzelnen Menschen.

Du möchtest das Heil
für die Welt und für die Menschen.

So bitten wir um deinen Segen, deinen Beistand und Trost, deine Barmherzigkeit und Liebe für alle, um die wir uns sorgen – auch für uns selbst. Amen.

Vaterunser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen.