Andacht am 5. September 2021

14. Sonntag nach Trinitatis

Pfarrer Ralf Greth

Votum:

Im Namen Gottes, der uns begegnet als Vater, Sohn und Heilige Geistkraft.
Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Wochenspruch:

Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
(Psalm 103,2)

Psalm 146:

Halleluja!
Lobe den Herrn, meine Seele!

Ich will den Herrn loben mein Leben lang!
Meinem Gott will ich singen, solange ich bin!

Verlasst euch nicht auf Fürsten!
Das sind nur Menschen, die können nicht helfen.

Wenn ihnen der Lebensatem ausgeht,
kehren sie wieder zur Erde zurück.
Dann ist es vorbei mit ihren Plänen.

Glücklich ist, wer den Gott Jakobs zum Helfer hat,
wer seine Hoffnung auf den Herrn setzt,
auf seinen Gott!

Himmel und Erde hat er gemacht,
das Meer und alles, was sich darin bewegt.

Für alle Zeit hält er an seiner Treue fest.

Er verhilft den Unterdrückten zum Recht.

Er gibt den Hungernden zu essen.

Der Herr macht die Gefangenen frei.

Der Herr macht die Blinden sehend.

Der Herr richtet die Niedergeschlagenen auf.

Der Herr liebt die Gerechten.

Der Herr beschützt die Fremden.

Er unterstützt Witwen und Waisen,
aber die Frevler führt er in die Irre.

Der Herr herrscht als König für immer!
Er ist dein Gott, Zion, und bleibt es
von Generation zu Generation!
Halleluja!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von
Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet:

"Man muss halt dankbar sein!" Das sagen oder hören wir oft, Gott, du Barmherziger. Das klingt, als ob wir eigentlich klagen wollten, als ob wir eben nicht zufrieden wären, als ob wir nicht wirklich dankbar wären. Du zwingst uns zu nichts. Du bestrafst unsere Undankbarkeit nicht. Du beschenkst uns stattdessen weiterhin und reichlich mit deinem Segen, mit Leben, mit dieser Welt, mit vielen Gütern und vor allem mit Menschen an unserer Seite. Danke dafür, Gott! Es tut gut, das alles zu sehen. Es tut auch gut, danke zu sagen. Du ermunterst uns immer wieder dazu durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Bruder, der mit dir und der Heiligen Geistkraft lebt und lebendig macht von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Gnadenzusage:

Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.
(Psalm 103,13)

Lesung aus 1. Mose 28,10-19a:

Jakob zog von Beerscheba nach Haran. Unterwegs kam er an einen Ort, an dem er übernachtete. Denn die Sonne war schon untergegangen. Er nahm einen von den Steinen dort und legte ihn neben seinen Kopf. Dann schlief er ein. Im Traum sah er eine Leiter, die von der Erde bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes hinauf und herunter. Plötzlich stand der Herr vor ihm und sagte: „Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Sie werden so zahlreich sein wie der Staub auf der Erde. Du wirst dich nach Westen und Osten, nach Norden und Süden ausbreiten. Durch dich und deine Nachkommen sollen alle Völker der Erde gesegnet sein. Siehe, ich bin bei dir und behüte dich überall, wohin du auch gehst. Ich bringe dich zurück in dieses Land. Ich werde dich nicht verlassen, bis ich vollbringe, was ich dir verheißen habe.“
Als Jakob aus dem Schlaf erwachte, sagte er: „Der Herr ist an diesem Ort anwesend, und ich wusste es nicht.“ Da fürchtete er sich und dachte: „Vor diesem Ort muss man Ehrfurcht haben! Hier ist gewiss ein Haus Gottes und ein Tor zum Himmel.“
Am Morgen stand Jakob früh auf und nahm den Stein, den er neben seinen Kopf gelegt hatte. Er stellte ihn als Kultstein auf und rieb seine Spitze mit Öl ein. Jakob nannte den Ort Bet-El, das heißt: Haus Gottes.

Glaubensbekenntnis

Predigttext 1. Thessalonicher 5,14-24:

Brüder und Schwestern, wir bitten euch: Weist diejenigen zurecht, die kein geregeltes Leben führen. Ermutigt die Ängstlichen, kümmert euch um die Schwachen, und habt Geduld mit allen. Achtet darauf, dass niemand Böses mit Bösem vergilt. Bemüht euch vielmehr stets, einander und allen anderen nur Gutes zu tun. Freut euch immerzu! Betet unablässig! Dankt Gott für alles! Denn das ist Gottes Wille,
und das hat er durch Christus Jesus für euch möglich gemacht. Unterdrückt nicht das Wirken des Heiligen Geistes. Missachtet die prophetische Rede nicht. Prüft aber alles und behaltet das Gute. Haltet euch vom Bösen fern – wie auch immer es aussieht.
Gott, der Frieden schenkt, mache euch ganz und gar zu Heiligen. Er bewahre euch unversehrt an Geist, Seele und Körper. Denn es soll an euch nichts auszusetzen sein, wenn unser Herr Jesus Christus wiederkommt. Gott, der euch beruft, ist treu: Er wird das alles tun.

Predigt:

Liebe Gemeinde!

„Ich kann mich gar nicht richtig freuen“, sagte vor Kurzem ein Mann zu mir. „Immer wenn ich mich freue, weil mir etwas Gutes widerfahren ist, folgt ein Unheil auf der Stelle. Ich hatte Erfolg im Beruf, darüber war ich froh und stolz. Dann wurde meine Frau ernsthaft krank. Das ist alles meine Schuld!“ Kurzgefasst waren das seine Worte. Er fragte auch noch danach, warum Gott ihm und seiner Frau das antut. Er landete immer wieder in finsteren Gedanken. Die pure Freude war für ihn nicht möglich. Dunkle Schatten durchzogen für ihn alles Gute. Das raubte ihm seinen Lebensmut.
Mit dem Leitspruch des heutigen Sonntags werden wir eingeladen, uns selbst, unsere Seele aufzufordern, Gott zu loben. „Lobe den Herrn ,eine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ (Ps 102,3) Unser Blick wird auf unsere ehrliche und tiefe Erinnerung gerichtet, was Gott uns Gutes getan hat. Es hätte auch anders kommen können. Vieles hätte auch schief gehen können. Schlechte Erfahrungen machen wir ja auch reichlich. Und diese schlechten Erfahrungen sind uns ja meistens sehr bewusst. Heute sollen wir mal die guten Erfahrungen hervorkramen und hervorheben. Und dann werfen wir sie am besten nicht mit den schlechten Erfahrungen in die Waagschale, um beides gegeneinander aufzuwiegen.
Nehmen wir Gottes Güte, seine Gnade selbst erlebt, in den Blick. Dankbarkeit wird sich in uns ausbreiten, wenn wir uns auf gute Erfahrungen besinnen, die wir in unserem Leben machen durften. Dabei werden wir auch entdecken, dass erfahrene Güte ein Geschenk ist. Wir können uns die Güte Gottes nicht verdienen oder erarbeiten. Wir können darum bitten. Wir können darauf hoffen. Ein Geschenk allererster Güte macht uns dankbar.
Und wir erhellen dadurch unsere Seele. Die Besinnung auf Gottes erfahrene Güte hilft uns gegen finstere Gedanken. Sie hilft uns, nicht auf das Böse zu blicken, dem Bösen nicht zu viel Raum zu geben.

Nun kommt Paulus in unserem Predigttext mit einer Zusammenstellung von Verhaltensregeln daher. Es klingt wie eine Anleitung zur Lebenshilfe, wie Benimmregeln für einen Christenmenschen. Doch vieles davon könnte auch außerhalb der Kirche gesagt werden. Das könnte auch ein Bürgermeister, ein Gruppenleiter oder ein Heimleiter sagen. Die wohlgemeinten Aufforderungen klingen allgemeingültig für ein gutes Zusammenleben. Das erinnert mich eher daran, etwas schönzureden. Besonderen Trost, der mich auf Gottes Güte hinweist, lese ich zuerst nicht darin.
Aber Paulus wäre nicht Paulus, wenn er nur ein paar Lebenstipps aufzählen wollte. Er schreibt das alles im Blick auf die zu erwartenden Wiederkunft Christi. In diesem Brief, der sein erster uns bekannter Brief ist, schreibt Paulus an eine noch ganz junge Gemeinde. Die Gemeinde steckt ebenso wie Pauls selbst sozusagen noch in den Anfängen. Zu der Zeit erwartete Paulus die Wiederkunft Christi noch zu seinen eigenen Lebzeiten. Und eben darauf weist er in seinem Brief hin. Er will die Menschen in der jungen Gemeinde motivieren, vorbereitet zu sein auf Christus. Er will sie motivieren, schon jetzt umzusetzen, was christliches Leben im Alltag bedeutet. Er will dazu motivieren, konsequent zu sein mit dem Glauben an die Liebe. Er will dazu motivieren, das Vertrauen zu Gott erkennbar zu machen. Er will dazu motivieren, die Begeisterung für Gott zu zeigen. Das geschieht am besten durch ehrliches Vorleben dessen, woran man glaubt, wovon man überzeugt ist, was zum Guten führt.
Bei Paulus hängt alles an diesem Ausblick auf das Kommen Christi. Heutzutage warten wir nun schon etwa 2.000 Jahre darauf. Ob daraus zu unseren Lebzeiten oder überhaupt irgendwann etwas draus wird, weiß natürlich niemand von uns zu beantworten. Ich glaube aber, die Aussicht darauf, auf das Kommen Christi in unsere Welt, in unser Leben, tut uns gut. Wenn wir darauf warten, dann werden wir auch etwas erwarten. Dann erwarten, erhoffen, glauben wir noch etwas. Dann blicken wir auf die Möglichkeit einer Welt, in der Gottes Güte alles Finstere überstrahlt. Dann blicken wir auf die Möglichkeit eines Lebens, in dem die Liebe Christi die Oberhand hat über alles Böse. Dann blicken wir auf die Möglichkeit, jetzt schon mit Begeisterung so zu leben, wie es der Güte Gottes entspricht.
Dazu gehört Dankbarkeit, der Blick auf seine Güte hier und jetzt in meinem Leben. Der bescheidene Blick auf Gottes Gnade führt dann zu großmutigem Vertrauen und zu großmutigen und liebevollen Taten. Ja, wir dürfen und sollen uns sogar freuen über Gottes Güte ohne schlechtes Gewissen. Wie soll Gott uns denn Gutes zukommen lassen, wenn wir es mit einem schlechten Gewissen verdunkeln? Dann würde ja alle gute Erfahrung zugleich zu einer schlechten und schuldbelasteten Empfindung. Gott will uns seine Güte schenken, weil er gut zu uns ist.
Amen.

Fürbittengebet:

Gott, wir bitten dich für die Menschen, die sich alles selbst anrechnen, ihre Gesundheit und ihren Erfolg, aber auch ihre Krankheiten und ihr Scheitern. Offne ihnen und uns die Augen für das Leben, dass wir staunen können und unser Leben als Geschenk und Aufgabe zugleich annehmen.
Gott, wir bitten dich für die Menschen, die nicht mehr danken können aus Enttäuschung und Depression, aber auch aus Überheblichkeit und Unkenntnis. Öffne ihnen und uns wieder die Lippen zu deinem Lob und dass wir deine Liebe bezeugen in der Welt.
Gott, wir bitten dich für die vielen Religionen, Glaubensgruppen und Gemeinschaften, dass sie sich nicht einengen, sondern dich in der Vielfalt entdecken lernen und einander mit Respekt begegnen.
Gott, wir bitten dich für die Menschen, die Verantwortung tragen für die Gesellschaft in Politik, Verwaltung, Wirtschaft, sozialen Diensten, Lehre und Forschung, offne ihre Sinne für deine Gerechtigkeit, dass sie Wege finden, die allem Leben dienen.

Vaterunser:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme,
dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns
von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Der Herr segnet und behütet dich.
Der Herr lässt sein gutes Angesicht über dir leuchten und ist dir gnädig.
Der Herr legt sein Angesicht auf dich und schenkt dir seinen Frieden. Amen.