Andacht zum Tag der Heiligen Dreifaltigkeit - Trinitatis

Sonntag, 30. Mai 2021

Pfarrerin Sabine Breithaupt-Schlak

Solisten: Armin Richter-Strauss und Luisa Neurath

Votum

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Wochenspruch (2. Korinther 13,13)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Psalm (Psalm 113,1-9)

Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN, lobet den Namen des HERRN! Gelobt sei der Name des HERRN von nun an bis in Ewigkeit! Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des HERRN! Der HERR ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist. Wer ist wie der HERR, unser Gott, der oben thront in der Höhe, der niederschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde; der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz, dass er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes; der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt, dass sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja!

(Lutherbibel 2017)

Gebet

Gott, Schöpfer der Welt, Geheimnis des Glaubens, du hast dein Volk aus der Knechtschaft geführt. Befreie auch uns aus aller Verstrickung.

Jesus Christus, du bist der Erste der neuen Schöpfung, dein Licht leuchtet denen, die im Dunkeln leben. Sende auch uns dein Licht und deine Wahrheit.

Heiliger Geist, Kraft Gottes, aus dir wachsen Erkenntnis und Liebe.

Stärke uns in der Hoffnung zum Leben.

Dreieiniger Gott von Anbeginn bis in Ewigkeit, barmherzig bist du und treu. Amen 

Lesung aus Johannes 3,1-13

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist. Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag das zugehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist Israels Lehrer und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und ihr nehmt unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage? Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn.

(Lutherbibel 2017)

Glaubensbekenntnis

Auf diese Sätze haben sich die Christinnen und Christen der frühen Kirche geeinigt, um sich in ihrem Glauben zu vergewissern. Sie wurden über die Jahrhunderte weitergegeben und werden bis heute  im Gottesdienst gemeinsam gesprochen.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Predigt

Jesus stellt die Welt auf den Kopf. Das macht Nikodemus neugierig. Nikodemus hat gesehen, dass viele Menschen an Jesus aufgrund seiner machtvollen Taten glauben. Aber an wen oder was glauben sie das eigentlich? Wer ist dieser Jesus? In welchem Verhältnis steht er zu Gott und Gott zu ihm? Und was bedeuten seine Worte und Taten für das eigene Gottesverhältnis? Nikodemus will das Geheimnis um Jesus und die Bedeutung seines Auftretens ergründen. Die Konzentration der Nacht will Klarheit. Deshalb geht Nikodemus noch im Schutzraum dieser Nacht-Atmosphäre zu Jesus. Nikodemus will nicht gesehen werden von seinen Freunden und anderen Pharisäern. Bei Nacht geht er zu Jesus. Jesus interessiert ihn sehr, wie ja viele Pharisäer, fromme Juden, großes Interesse an Jesus hatten und ihn darum auch zu sich nach Hause einluden. Nikodemus nähert sich Jesus mit einer speziellen Frage: „Wie soll das gehen: neu geboren werden als ein in die Jahre gekommener Mensch? Jesus erläutert ihm, was es mit dem „Neu werden im Geist“ und mit dem „Wiedergeborenwerden“ auf sich hat. Aber Nikodemus versteht es nicht. Er ist mit dem Kopf, aber vielleicht nicht mit seinem Herzen bei der Sache. Und vielleicht hat er auch einen inneren Widerwillen gegen ein „Anders werden“. Wer ändert sich schon gerne, so lange er oder sie selbst sich völlig in Ordnung findet. Ein Beispiel aus der Geschichte vermag das zu verdeutlichen: Bis zu seinem Tod fand sich auch der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II., völlig in Ordnung. Dass er 1918, nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg, abdanken musste, seinen Thron räumen und in eine Art Exil in die Niederlande gehen musste, empfand er als persönliche Schmach. Einer internationalen Anklage wegen Kriegstreiberei entging er nur knapp. 23 Jahre verbrachte er auf einem Landgut in den Niederlanden. Man erzählt sich, er habe in dieser Zeit vor allem Tausende von Bäumen gefällt, wenn er nicht ihm treu ergebene Gäste empfing. Lange soll er von einer Rückkehr auf den Thron der Hohenzollern geträumt haben in der Meinung, ohne ihn gehe es nicht. Dann, vor achtzig Jahren am 4. Juni, starb er im Alter von 82 Jahren. Das geschichtliche Kapitel deutschen König- und Kaisertums war mit ihm zu Ende. Eine Selbstprüfung oder eine Sinnesänderung hat bei ihm, soweit erkennbar, nicht stattgefunden. 

Das muss sie aber – bei jedem Menschen. Das Infragestellen der eigenen Person ist nicht nur das Recht eines glaubenden Menschen, sondern auch eine Art Glaubenspflicht. Nur wer sich infrage stellt, kann auch seine Sinne ändern; und kann das, was Jesus sich wünscht: neu werden durch den Geist Gottes. Das geschieht nicht nur einmal, sondern genau genommen in jedem Gottesdienst: wir bringen unsere Fehler und Schuld vor Gott; wir bitten um sein Erbarmen mit uns und leben dann in seinem Geist – anders oder neu. Wir müssen uns davor nicht fürchten, wir dürfen ja neu werden. Im Himmel ist große Freude über die, die im Geist Gottes leben. 

Und das bleibt nicht ohne Folgen für die Erde. Wir erfahren nicht, wie Nikodemus aus dem Nachtgespräch geht. Das bleibt offen, aber es finden sich Spuren in der Erzählung, die jenseits eines großartigen Bekehrungserlebnisses zeigen, wie der Geist im Alltag wirken kann: Ganz am Ende des Weges Jesu kommt Nikodemus noch einmal in der Nacht, balsamiert zusammen mit Josef von Arimathäa Jesu Leichnam und bezahlt seine Grabstelle. In der letzten Ehre spiegelt sich so seine Ehrerbietung der ersten Begegnung. Das mag nicht spektakulär erscheinen, aber erweist sich doch als ein Zeichen des Geistes, der Tag und Nacht, Himmel und Erde, durchdringt. 

Fürbittengebet und Vater unser

Gott, der du unser Vater bist, der Schöpfer, der Anfang und das Ende: Wir legen dir deine Erde zu Füßen – alle Pflanzen, alle Tiere, alle Menschen. Die Luft, die Erde, das Wasser. Dein Wille geschehe auf diesem Planeten. Deshalb bitten wir dich um Weisheit und Verstand, dass wir das Leben schützen, das du erschaffen hast.

Gott, der du in Jesus Christus unser Bruder bist, unser Retter und Versöhner: Beruhigend ist es, dass du uns so gut kennst. Du bist bereit, unsere Fragen zu hören. Wir bitten dich für die, die ruhelos geworden sind in ihrem Leben; die deine Gegenwart brauchen, damit sie wieder ein Ziel vor Augen haben.

Gott, der du uns als Heiliger Geist machst; du, unser Tröster und Fürsprecher: Wir wollen nicht stehen bleiben, als Einzelne nicht und nicht als deine Kirche. Wir wollen dir folgen. So durchwehe unser Leben und verändere uns, dass wir täglich neu geboren werden.

Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, dir gehört unser Leben. Dich loben und preisen wir heute und alle Zeit.

Alles, was wir sonst noch auf dem Herzen haben, legen wir in das Gebet, das Jesus seine Jüngerinnen und Jünger gelehrt hat:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich; Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; Gott hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen