Andacht am 2. Mai 2021 - Kantate

Pfarrer Ralf Greth

Musik: Sarah Jung

Votum:

Im Namen Gottes, der uns begegnet als
Vater, Sohn und Heilige Geistkraft.
Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Wochenspruch:

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

(Psalm 98,1)

Psalm 98:

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.
Er schafft Heil mit seiner Rechten
und mit seinem heiligen Arm.
Der Herr lässt sein Heil verkündigen;
vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,
aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Jauchzet dem Herrn, alle Welt,
singet, rühmet und lobet!
Lobet den Herrn mit Harfen,
mit Harfen und mit Saitenspiel!
Mit Trompeten und Posaunen
jauchzet vor dem Herrn, dem König!
Das Meer brause und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen in die Hände klatschen,
und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;
denn er kommt, das Erdreich zu richten.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit
und die Völker, wie es recht ist.

Gebet:

Zu dir, Gott, bete ich und singe hoffnungsvoll,
dass du spürbar in unser Leben kommst,
dass deine Gerechtigkeit siegt,
dass du uns zum Frieden bewegst,
dass du Herzen öffnest und Mut wachsen lässt,
dass deine Liebe wirksam ist,
und Freude, Jubel und Jauchzen auslöst.
Darum bitte ich dich und singe dir jetzt,
dass das alles jetzt geschieht,
mitten in diesem Leben, mitten in dieser Zeit.
Amen.

Gnadenzusage:

Jauchzet Gott, alle Lande!
Lobsinget zur Ehre seines Namens;
rühmet ihn herrlich!

(Psalm 66,1-2)

Lesung aus 1. Samuel 16,14-23:

Der Geist des Herrn aber wich von Saul, und ein böser
Geist vom Herrn verstörte ihn. Da sprachen die Knechte
Sauls zu ihm: Siehe, ein böser Geist von Gott verstört
dich. Unser Herr befehle nun seinen Knechten,
die vor ihm stehen, dass sie einen Mann suchen, der
auf der Harfe gut spielen kann, damit, wenn der böse
Geist Gottes über dich kommt, er mit seiner Hand darauf
spiele, und es besser mit dir werde. Da sprach Saul
zu seinen Knechten: Seht nach einem Mann, der des
Saitenspiels kundig ist, und bringt ihn zu mir. Da antwortete
einer der jungen Männer und sprach: Ich habe
gesehen einen Sohn Isais, des Bethlehemiters, der ist
des Saitenspiels kundig, ein tapferer Mann und tüchtig
zum Kampf, verständig in seinen Reden und schön,
und der Herr ist mit ihm.
Da sandte Saul Boten zu Isai und ließ ihm sagen: Sende
deinen Sohn David zu mir, der bei den Schafen ist.
Da nahm Isai einen Esel und Brot und einen Schlauch
Wein und ein Ziegenböcklein und sandte es Saul
durch seinen Sohn David. So kam David zu Saul und
diente ihm. Und Saul gewann ihn sehr lieb, und er
wurde sein Waffenträger.
Und Saul sandte zu Isai und ließ ihm sagen: Lass David
mir dienen, denn er hat Gnade gefunden vor meinen
Augen. Wenn nun der Geist Gottes über Saul kam,
nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner
Hand. So erquickte sich Saul, und es ward besser mit
ihm, und der böse Geist wich von ihm.

Glaubensbekenntnis

Predigttext Lukas 19,37-40:

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war,
fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott
zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen
hatten, und sprachen:
Gelobt sei, der da kommt,
der König, in dem Namen des Herrn!
Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!
Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen
zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er
antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese
schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Predigt:

Liebe Gemeinde!

Singen tut mir gut. Singen erhebt und erhellt meine Seele. Singen befreit und erfüllt mich. Singen macht mir Mut und beschwingt mich. Singen reinigt mich von innen, bringt mir frische Luft und erfrischt mein Gemüt. Singen lässt mein Gesicht strahlen.

Mehr noch und verstärkt wirkt Singen in der Gemeinschaft, mit anderen, am Lagerfeuer, im Chor, im Stadion, im Gottesdienst mit der Gemeinde in der Kirche.

Zur Zeit singen wir in unseren Kirchen nicht. Das fehlt mir sehr! Das fehlt uns als Gemeinde. Das fehlt unserem Glauben.

„Wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien.“ Das sagt Jesus nach der Erzählung des Lukas im heutigen Predigttext. Dazu stelle ich mir die leere Kirche vor. Sie ist geschlossen und kein Mensch ist drinnen. Mit etwas Phantasie kann ich mir vorstellen, dass die alten Steine der Mauern dort schreien. So viele Menschen sind schon darübergelaufen, haben in den Mauern geatmet, gesungen und gebetet. Menschen haben ihre Geschichte hineingetragen in die Mauern der Kirche. Sie haben ihre Fragen, Sorgen und Lasten hineingetragen. Sie haben ihre Freude, ihren Jubel und ihren Gesang hineingetragen. Sie haben Ereignisse hineingetragen, traurige und schwere Lebensereignisse, Trauer und auch Tote. Grabsteine drinnen wie draußen erzählen von Schicksalen und Tragödien aus mehreren Jahrhunderten.

Die Menschen haben ebenso Freude und Dank hineingetragen zwischen die Steine in den Mauern, haben sich gegenseitig das Ja-Wort zur Ehe gegeben oder ein neugeborenes Kind zur Taufe getragen, haben ein Licht angezündet in der Heiligen Nacht oder in der Osternacht. Mit Posaunen sind sie eingezogen und haben sich bei ihrer Konfirmation zu Christus bekannt. Ich stelle mir vor, wie die Steine schreien oder wovon sie singen könnten.

 

 

Das Motiv, dass Steine schreien können, haben einige namhafte Denker und Dichter der Zeitgeschichte in unterschiedlicher Weise benutzt. Lukas schreibt als einziger Evangelist von dieser Begebenheit und der Aussage Jesu. Er positioniert dieses Geschehen in seinem Evangelium zwischen dem Einzug Jesu in Jerusalem und seiner Ankündigung des Untergangs der Stadt. Manche Theologen haben darin zwei Hinweise entdeckt. Zum einen sehen sie mit dem Einzug Jesu in Jerusalem einen Hinweis auf die Weihnachtsbotschaft, dass in Jesus Gott zu uns auf die Erde gekommen ist, verknüpft mit der Ankündigung des Untergangs der Stadt ein Hinweis auf die Osterbotschaft, dass Jesus alles neu machen wird. Zum anderen entdecken sie in der Ankündigung des Untergangs einen Hinweis auf den Propheten Habakuk, der mit einer ganz ähnlichen Ankündigung die ungerechten Missstände seiner Zeit anprangert.

Wie dem auch sei spricht Jesus von den Steinen als Antwort auf die Pharisäer, die den vollmundigen Gesang der Jünger kritisieren und eindämmen wollen. Anscheinend ist ihnen der ausgelassene Jubel über Jesus zu viel. Vermutlich finden sie es unangemessen, dass Jesus sich so überschwänglich ankündigen und feiern lässt.

Ich stelle mir die Szene, die Lukas an dieser Stelle seines Evangeliums einbaut, zunächst ganz einfach vor. Jesus kommt mit seinen Freunden nach Jerusalem. Sie freuen sich. Sie sind ganz aus dem Häuschen. Sie singen und tanzen oder springen umher, klatschen in die Hände und strahlen vor Freude. Sie freuen sich über Jesus. Er kommt und bringt Heil und Leben. Dafür loben sie Gott, ausgelassen und mit Enthusiasmus.

Diese Begebenheit ist erst ganz neu als Evangelium und Predigttext für den heutigen Sonntag Kantate ausgesucht worden. Es soll die Leitgeschichte sein für den Sonntag des Kirchenjahres, an dem wir ausdrücklich zum Singen eingeladen, ja wachgerüttelt werden.

 

 

Wie möchte ich heute singen? Laut und mit voller Inbrunst oder zart und leise, fast schon vorsichtig? Wie hört sich mein Lied an heute morgen? Ist es voller Lob und Dank oder eher eine Klage, ein Blues? Klingt melancholische Schwere heraus? Welcher Rhythmus bestimmt mein Lied? Ist es beschwingt wie von leichtem Wind? Oder schlägt der flotte Beat durch, sodass meine Füße nicht stillhalten können und im Takt mitwippen? Oder schleppt es sich eher träge von einem Ton zum anderen?

Für die Einladung zum Singen spielt es keine Rolle, wie mein Gesang sich heute gestaltet. Er darf schräg und schief sein, unrhythmisch und unvollendet. Er darf Trauergesang oder Hymne sein. Er darf mein ganz eigenes Lied sein, dass sich von alleine entwickelt. Vielleicht beginnt es auch schwer, traurig und leise und wandelt sich dann langsam in mehr Melodie und Leichtigkeit bis zu einem mitreißenden Rhythmus mit einer einprägsamen Melodie oder einem wiederkehrenden Text und wird am Ende zu meinem heutigen Ohrwurm. Vielleicht nutze ich auch ein altbekanntes Lied und lasse mich davon tragen oder sogar mitreißen. Wie wäre es mit „Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön …“ oder „Geh aus, mein Herz, und suche Freud …“, um in mir selbst mehr Wärme herbeizusingen. Vielleicht klappt es ja dann auch draußen mit der Wärme.

Auf jeden Fall tut singen gut. Das vermag auch oft schon das Zuhören beim Gesang, aber mehr noch bewirkt das eigene Singen. Jesus untersagt seinen Jüngern nicht das Singen. Er lässt sie nicht verschweigen, was sie innerlich bewegt. Alles muss raus, das Angst- und Klagegeschrei ebenso wie der Freudenjubel!

Und es wird gehört, mein Lied, es kommt an bei Gott. Es ist ein Gebet. Mein Lied ist meine Stimme und meine Stimmung an Gott gesandt.

Und es kommt etwas zurück von ihm, ein Echo, eine Antwort, eine Wirkung. Mein Singen bleibt nicht leer. Mein Singen zeigt Wirkung für meine Seele. Mein Singen befreit mich und vielleicht auch andere. Mein Singen gibt mir neue Kraft und vielleicht auch anderen. Mein Singen weckt Freude in mir und vielleicht auch bei anderen.

Darum: Jauchzt Gott, alle Lande!

Amen.

Fürbittengebet:

Dir, Gott, vertrauen wir und hoffen auf deine Güte und

auf deine Macht, dass du zurecht bringst, was ungerecht ist.

Davon wollen wir singen.

Wir bitten dich für alle, denen das Singen vergangen

ist, denen das Leid die Kehle zuschnürt,

Menschen auf der Flucht, unter Bombenhagel, in Trauer

um einen geliebten Menschen.

Halte deine liebende Hand über sie.

 

Wir bitten dich für alle, die Lieder von Hass und Intoleranz

singen, auf den Straßen, in den politischen Parteien,

an Stammtischen.

Halte sie auf!

 

Wir bitten dich für alle, denen niemand hilft, Kinder,

die ohne Frühstück in die Schule gehen müssen, Jungen

und Mädchen, denen Gewalt angetan wird, Erwachsene,

die niemand liebend berührt.

Sei du bei ihnen!

 

Wir bitten dich für alle, die nicht müde werden auf

deine Wunder zu hoffe, die sich engagieren in der Politik,

in den Medien, in Vereinen, fröhlich und mutig.

Stärke sie.

 

Wir bitten dich für die Menschen, die uns ganz persönlich

am Herzen liegen.

Segne und bewahre sie.

Amen.

Vaterunser:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere

Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns

von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen.

Segen:

Der Herr segnet und behütet dich.

Der Herr lässt sein gutes Angesicht über dir leuchten

und ist dir gnädig.

Der Herr legt sein Angesicht auf dich und schenkt dir

seinen Frieden. Amen.