Andacht zum 6. Sonntag nach Trinitatis

Sonntag, 11. Juli 2021

Pfarrerin Sabine Breithaupt-Schlak

Einstimmung

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gebet

Gott, wir treten vor dich hin und bitten um deine Gegenwart. Schenke uns Klarheit und verbinde uns so verschiedene Menschen durch deinen Heiligen Geist. Gib uns den Mut, uns in deinen Augen besser zu verstehen und deinen Willen zu ahnen. Du bist verborgen dabei, auf dich ist Verlass, du glaubst an mich. Lass uns dein Wort hören, dass es uns im Herzen anrührt und wahrhaft verwandelt. Gib deinen Geist in uns, damit wir verstehen, was du uns heute sagen möchtest. Du bist nahe. Dank sei dir dafür.

Matthäus 6,26

Jesus sagt: Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr kostbarer als sie

Impuls zu Matthäus 6,26

Im Sommer sehe ich Menschen im grünen Gras liegen. Schlafend, träumend oder den Blick nach oben gerichtet, in den blauen Himmel. Dort fliegt von Zeit zu Zeit ein Vogel vorbei. Ein Wunder. Der Vogel ist ein lebendiges Kunstwerk. Von perfekter Eleganz im Gleiten oder im Flug. Federn ineinander, übereinander; sie schützen, sie machen den Flug, sie wärmen oder kühlen den kleinen Körper – jeweils, wie es gebraucht wird.

Der Vogel weiß nicht, dass er ein Wunder ist. Das erkennen nur wir: das Wunder vor blauem Himmel.

Erkennen wir noch Wunder? Oder verlieren Wunder ihren Zauber, je mehr wir mit ihnen zu tun haben? Das Leben ist ein Wunder. Und je genauer wir hinsehen und hinhören können, desto größer wird der Zauber. Natürlich ist Leben nicht immer schön; es ist auch grausam. Die Natur ist kein friedvolles Spiel im Sandkasten. Da geht es um Leben und Überleben, um Macht und Ohnmacht. Manches in der Natur bringt seine Tage damit zu, sich vor Feinden zu schützen. Elegantes Ausruhen kennen viele nicht. Wir vergessen das nicht, wenn wir von „Natur“ sprechen.

Aber jetzt erkennen wir mal das Wunder des Lebens. Soweit wir das heute wissen, gibt es im Weltall nichts Vergleichbares. Wo immer die Forscher hinschauen, sehen sie Geröll auf Planeten und ihren Monden. Da glänzen vielleicht mal Farben, aber wohl kein Leben.

Das Leben glänzt auf Erden. Leben ist ein Wunder. Der Vogel, der Mensch, Sie und ich, sind Wunder. Vermutlich hätten wir es nicht erfinden können, das Leben. Wir können es nur bestaunen. Wie Jesus es bestaunte und fragte (Matth. 6,26): Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr kostbarer als sie?

Für Jesus war klar, wem wir das Wunder des Lebens verdanken: dem himmlischen Vater. Er sorgt, er trägt Verantwortung; er will Leben. Er, der himmlische Vater, will uns. Und kümmert sich um uns – sogar mehr, als für andere Geschöpfe. Wir sind ihm noch kostbarer. Kurz darauf sagt Jesus ja noch: Selbst prachtvolle Lilien, die verblühen und im Ofen landen, sind Gottes Werk. Er sorgt für sie; aber noch viel mehr sorgt er für uns Menschen.

Wo sich einer um uns sorgt, müssen wir uns weniger um uns sorgen.

Auch wir Menschen sind Wunder vor blauem Himmel. Natürlich müssen wir uns zunächst eingestehen: Manchmal ist es schrecklich, wie Menschen ihr Leben zubringen – oder zubringen müssen.

Manche Lebensgeschichten sind voller Leid; oder ausgeübter oder erlittener Gewalt. Das ist wahr. Aber andere Leben sind eher gemütvoll und liebenswürdig lebendig. Zugleich aber auch voller Sorge. Als müssten wir alles tun und uns um alles selber kümmern.

Das müssen wir nicht; wir können es gar nicht. Das merken wir manchmal. Wir fühlen uns dann ein wenig wie am Ende und wissen nicht mehr vor und zurück vor Sorge. Was soll das alles werden? fragen wir uns dann. Jesus weiß das. Er sagt ausdrücklich: Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Und wünscht sich dann, was er selber wohl recht gut kann: Vertraut, dass Gott weiß, was ihr braucht. Sorge und Vertrauen gehören eng zusammen. Wo viel Sorge ist, ist weniger Vertrauen. Manche Sorge
muss sein; wir können nicht sorglos „ins Blaue“ hineinleben. Aber um alles sorgen können wir uns auch nicht, das überfordert Herz, Seele und Körper.

Vielleicht sollten wir einfach öfter mit dem Rücken im Gras liegen und in den Himmel schauen; entweder tatsächlich oder wir sollten gedanklich so tun: uns mit allen unseren Sorgen einfach ins Gras legen und nach oben schauen. Nach oben, wo der ist, der sich um uns sorgt und der für uns sorgt. Das hat Jesus bestimmt so gemacht. Er war ja nicht sorglos; er war auch kein Träumer oder Schwärmer. Er war einer, der vertrauen konnte; der abgeben konnte, was er nicht schaffte. Bitte, Gott, könnte er dann geflüstert haben, bitte kümmere dich auch. Lass mich nicht allein mit meinen Sorgen.

Das hilft, dieses Abgeben. Schon wenn man es ausspricht und Gott bittet, wird man etwas leichter. Schon dieses Nichtstun und in den Himmel schauen macht etwas leichter. Wir sind nicht allein. Niemand ist allein. Der himmlische Vater ist da, bei uns alle Tage bis an der Welt Ende. Wer sich ihm anvertraut, trägt an seinen Sorgen etwas weniger schwer.

Im Gebet können wir uns Gott anvertrauen:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich;
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
Gott hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Amen