Andacht am 24. Januar 2021

Dritter Sonntag nach Epiphanias

Votum:

Im Namen Gottes, der uns begegnet als

Vater, Sohn und Heilige Geistkraft.

Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Wochenspruch:

Und es werden kommen von Osten und von Westen,

von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden

im Reich Gottes.

(Lukas 13,29)

Psalm 86,1-2.5-11:

Herr, neige deine Ohren und erhöre mich;

denn ich bin elend und arm.

Bewahre meine Seele, denn ich bin dir treu.

Hilf du, mein Gott, deinem Knechte, der sich verlässt auf dich.

Denn du, Herr, bist gut und gnädig,

von großer Güte allen, die dich anrufen.

Vernimm, Herr, mein Gebet

und merke auf die Stimme meines Flehens!

In der Not rufe ich dich an; du wollest mich erhören!

Herr, es ist dir keiner gleich unter den Göttern,

und niemand kann tun, was du tust.

Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen

und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren,

dass du so groß bist und Wunder tust

und du allein Gott bist.

Weise mir, Herr, deinen Weg,

dass ich wandle in deiner Wahrheit;

erhalte mein Herz bei dem einen,

dass ich deinen Namen fürchte.

Gebet:

Gott, du hast immer ein offenes Ohr für uns.

Du hörst zu mit Leidenschaft, wenn wir dir sagen, was uns bewegt. Danke!

Gib mir den Mut und die Ruhe, dir alles anzuvertrauen, was in mir ist.

Erweitere meine Sichtweise und öffne mein Herz für

das Leben und die Welt, die du geschaffen hast.

Es sind so viele verschiedene Menschen, die hier zusammenleben

und sich gegenseitig abgrenzen.

Hilf uns, Gott, dass wir das Miteinander gestalten können.

Amen.

Lesung aus Matthäus 8,4-13:

Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn auch ich bin ein Mensch, der einer Obrigkeit untersteht, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er’s. Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!

Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die äußerste Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.

Glaubensbekenntnis

Predigttext Rut 1,1-19a:

Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann.

Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der Herr sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der Herr tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. Der Herr gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des Herrn Hand hat mich getroffen.

Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.

Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

Predigt:

Liebe Gemeinde!

Gottes Wege mit uns sind uns häufiger unverständlich. Wir erleben Schwierigkeiten, Leid und Katastrophen, die uns zweifeln lassen an Gottes liebevoller Nähe. Das betrifft einzelne Menschen ebenso wie große Teile und Zusammenhänge unserer Erde. Sicherlich wird viel Leid von Menschen verursacht. Trotzdem fragen wir auch dann nach Gott, warum das so sein muss. Die Antwort darauf besteht meistens darin, dass uns sehr viel Geduld und Vertrauen abverlangt wird. Das Wichtigste, das wir selbst beisteuern können, ist füreinander da zu sein. Davon erzählt die heutige Geschichte unseres Predigttextes. Es ist der erste Abschnitt des Buches Rut. Wir müssen uns klarmachen, dass es sich um eine ausgedachte Geschichte handelt. Uns wird in feinsinniger Weise vor Augen geführt: So könnte es gewesen sein! Selbst die Namen der beteiligten Menschen scheinen Programm zu sein. Dabei begegnen uns viele aktuelle Themen.

Es beginnt damit, dass eine Familie aus Not ihre Heimat verlässt und in der Fremde neuen Lebensraum sucht, um überleben zu können. Es handelt sich um eine Flucht aus Not, von der die ganze Familie betroffen ist. Elimelech ist der Name des Mannes. Das heißt: „Mein Gott ist König!“ Für jemanden, der in Sorge und Angst um sein Leben und das seiner Familie ist, zeigt er zugleich auch Mut und Gottvertrauen, dass sich mit dem Aufbruch in die Fremde eine bessere Lebenssituation ergeben wird. Seine Frau heißt Noomi, was soviel heißt wie „die Anmutige, die Liebliche“. Offensichtlich vertrauten beide einander, waren sich in ihrem Wagnis einig. So verließen sie mit ihren beiden Söhnen Bethlehem, was übersetzt „Brothausen“ heißt. Bei diesem Namen klingt es regelrecht aberwitzig, dass dort eine Hungersnot eingezogen war.

Sie beginnen ein Leben in der Fremde, ausgerechnet bei den Moabitern. Die waren alles andere als angesehen und vertrauenswürdig. Und doch wird diese Fremde zur neuen Welt für die Familie. Die beiden Söhne fanden Partnerinnen und heirateten. Sie bauten sich also ein eigenes Leben in dieser fremden Welt auf. Entgegen allen hoffnungsvollen Plänen stirbt Elimelech plötzlich. Erschreckend und traurig ist jeder Verlust eines geliebten Menschen. Noch schwerer muss es sein, wenn wie bei Noomi der Partner noch gar nicht so alt war, dass man mit seinem Tod rechnen würde. Und dann noch in diesem neuen Land, wo sie eine Fremde und nun quasi auf sich allein gestellt ist. Als nach etwa zehn weiteren Jahren auch noch ihre beiden Söhne sterben, mag man sich kaum ausmalen, wie ihr zumute war. Die eigenen Kinder zu Grabe tragen zu müssen, ist an trauriger Last vermutlich nicht zu überbieten. Machlon und Kiljon hießen die beiden. Machlon bedeutet „schwächlich“ oder „Krankheit“. Kiljon heißt soviel wie „gebrechlich“ oder auch „Schwindsucht“. Warum nennt jemand die eigenen Kinder so, werden Sie sich vielleicht fragen. Wie gesagt handelt es sich um eine ausgedachte Geschichte. Die Namen sind offensichtlich Schicksalsnamen, die absichtlich ausgesucht wurden, um die Dramatik der Lebensgeschichte zu unterstützen.

Für Noomi ist jedenfalls eine Welt zusammengebrochen. All ihre Hoffnung auf ein neues Leben war dahin. Die Vision beim Aufbruch, in eine neue und segensreiche Zukunft zu starten, war zerstört. Sie stand auf einmal ganz alleine da, glaubte sie. Sie wollte auch nicht mehr mit ihrem Namen Noomi, genannt werden, so wird in dem Buch Rut erzählt, sondern Mara, das heißt „bitter“ oder „die Bittere“. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich persönlich gar nichts davon halte, Namen und ihre Bedeutung heutzutage als Programm, Omen oder magische Wirkung für das wirkliche Leben der betreffenden Menschen zu verstehen. Ich kennen zum Beispiel eine Mara persönlich, die ich alles andere als bitter, sondern als sehr freundlich und fröhlich erlebe. Noomi ist aber gar nicht alleine und doch kommt sie sich so vor. Mit ihren beiden Schwiegertöchtern steht sie nun da, fühlt sich vielleicht für sie verantwortlich oder auch von ihnen abhängig. Fühlten sich alle drei Frauen in der damaligen Zeit von ihren Männern abhängig, besonders auch in ihrer Lebensversorgung? Oder ist das hier viel eher ein Beispiel dafür, wie diese drei Frauen ihre Stärke entwickeln, mit der sie die Schwere ihres Lebens gemeinsam tragen können? Noomi resigniert jedenfalls nicht. sondern wagt erneut den Aufbruch und will zurückgehen in ihre alte Heimat nach Brothausen, Bethlehem. Den Schwiegertöchtern rät sie, auch zu ihren Familien zurückzukehren. Orpa, so heißt die eine von ihnen, das bedeutet übrigens „die Umkehrende, die den Rücken zeigt“, kehrt tatsächlich zu ihrer Familie zurück. Rut hingegen, das heißt „die Labende, die Sehende“, geht mit Noomi mit. Auffällig finde ich es, dass hier keinerlei Wertung geschieht, welche der beiden die bessere oder schlechtere Entscheidung getroffen hätte.

Rut beeindruckt mit einem Treueschwur. Sie zeigt sich mit Noomi verbunden, unabhängig von Volkszugehörigkeit oder kulturellem Hintergrund der beiden. Nur der Glaube verbindet sie. Dabei möchte ich betonen, dass hier der Glaube nicht als Abgrenzung und Religionszugehörigkeit missbraucht wird, sondern sich als öffnende Chance zeigt.

Es lohnt sich, das Buch Rut weiterzulesen. Rut lernt später Boas, das heißt „Kraft, Stärke“ kennen und hat mit ihm einen Sohn namens Obed, das heißt „Knecht“. Das ist bereits ein Hinweis darauf, dass Obed der Großvater des späteren Königs David und damit ein entfernter Vorfahre von Jesus war. Doch lesen Sie bitte selbst.

Hier möchte ich mit dem Hinweis schließen, dass in dieser Geschichte nicht unter fremden Völkern missioniert wird und doch Werbung für Gott gemacht wird, dass man ihm vertrauen kann, auch wenn alles dagegen spricht. Unsere menschlichen Pläne sind das eine und sie scheitern häufiger. Gottes Wunderwege hingegen erstaunen immer wieder und öffnen neue Wege. Anscheinend ist immer da, wo Menschen sich in Güte und Treue miteinander verbinden, Gott zugleich der Dritte im Bunde. Sicherlich ist deshalb der Treueschwur Ruts einer der beliebtesten Leitverse bei Hochzeiten. Eine Zusage von Mensch zu Mensch, ganz in Gottes Sinne, der mitgeht und dabeibleibt, überall.

Amen.

Fürbittengebet:

Gott, deine Liebe kennt keine Grenzen.

Hilf uns, dass wir nicht immer wieder an unseren eigenen Grenzen scheitern.

Wir brauchen Grenzen und Regeln, um zusammenleben zu können.

Schenke uns Weisheit, Regeln und Grenzen hilfreich und zum Wohl aller Menschen zu setzen und zu beherzigen.

Gib uns die Kraft, Grenzen zu überwinden, wenn sie dem Wohl anderer Menschen im Wege stehen und uns hindern, etwas von deiner Liebe weiterzugeben.

Stärke uns mit dem Mut, Grenzen zu überschreiten, wenn wir dadurch hilfreich und versöhnend sein können.

Wir bitten dich für die Menschen, die ausgegrenzt werden, weil sie nicht der Norm entsprechen.

Wir bitten für Menschen, denen Böses nachgesagt wird, weil sie anders sind.

Wir bitten für Menschen, die abgewertet werden, weil sie fremd sind.

Wir bitten für Menschen, die sich selbst in den Schatten stellen, weil sie von deiner Liebe und Wertschätzung nichts wissen oder spüren.

Befreie uns, Gott, von allem, was uns daran hindert, deine Güte weiterzusagen und weiterzureichen..

Amen.

Vaterunser:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere

Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns

von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Der Herr segnet und behütet dich.

Der Herr lässt sein gutes Angesicht über dir leuchten

und ist dir gnädig.

Der Herr legt sein Angesicht auf dich und schenkt dir

seinen Frieden. Amen.