Andacht am 14. Februar 2021

Estomihi

Wochenlied zur Andacht

EGE 3 "Wir gehn hinauf nach Jerusalem"

Musik: Christoph Hamburger

Votum:

Im Namen Gottes, der uns begegnet als

Vater, Sohn und Heilige Geistkraft.

Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Wochenspruch:

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lukas 18,31)

Psalm 31,2-6.8-9.16-17:

Herr, auf dich traue ich,

lass mich nimmermehr zuschanden werden,

errette mich durch deine Gerechtigkeit!

Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends!

Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!

Denn du bist mein Fels und meine Burg,

und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.

Du wollest mich aus dem Netze ziehen, das sie mir heimlich stellten;

denn du bist meine Stärke.

In deine Hände befehle ich meinen Geist;

du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.

Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte,

dass du mein Elend ansiehst und kennst die Not meiner

Seele und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes;

du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen.

Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht;

hilf mir durch deine Güte!

Gebet:

Wir schauen auf dich, Gott!

Wir suchen nach dir.

Wo bist du in unserem Leben?

Öffne uns die Augen, dass wir dich entdecken.

Leite unsere Wege, dass wir gestärkt und sicher gehen können.

Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Bruder,

der uns vorangeht, der mitgeht, der uns nachgeht und doch schon da ist.

Amen.

Lesung aus 1. Korinther 13:

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

Die Liebe hört nimmer auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Glaubensbekenntnis

Predigttext Jesaja 58,1-9a:

Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei. „Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?“ Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat?

Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

Predigt:

Liebe Gemeinde!

Wenn ihr wollt, dass Glück und Segen, von dem Gott reichlich über uns ausschüttet, satt auf uns fällt, dann schaut nicht nach oben, sondern umgekehrt, kehrt euch um und schaut nach unten. So höre ich diese alten Worte des Propheten. Sie klingen mahnend, sind aber tröstlich und hilfreich. In dieser mittlerweile langen und entbehrungsreichen Zeit des sogenannten Lockdowns angesichts der Corona-Pandemie, wird unsere Geduld auf eine harte Zerreißprobe gestellt. Ausgerechnet aus dem Buch des Propheten Jesaja klingt die tröstende Aufforderung „Fürchte dich nicht!“ häufig zu uns herüber. Uns ist in dieser Zeit eher zum Fürchten zumute. Verunsicherung auf der ganzen Linie hat sich breit gemacht. Das zieht sich durch alle gesellschaftlichen Gruppen, Schichten und Altersstufen. Verzicht und Entbehrung ist das Gebot der Stunde, um Gesundheit und Leben zu retten. Ob freiwillig oder gezwungenermaßen tun wir doch schon so lange und viel etwas dafür. Wo bleibt Gottes segensreiche Güte? Wo ist er? Hört er unsere Fragen und Bitten? Welche Rolle spielt er gerade und was macht er da mit uns? Was will er?

Mit dem kommenden Aschermittwoch beginnt im Kirchenkalender die Fastenzeit. Da werden wir daran erinnert, durch Verzicht das Wesentliche im Leben, uns selbst und Gott in seiner Bedeutung und Beziehung für uns neu zu entdecken.

Auch das noch! Wir verzichten doch schon so viel. Und was hat es gebracht? Sicherlich gehen die Infektions-zahlen etwas zurück oder steigern sich zumindest im Moment nicht mehr. Doch Anzeichen für Jubelschreie und Befreiung sind das noch nicht. Im Gegenteil ist zur Verunsicherung das Auftreten von Mutationen des befürchteten Virus hinzugekommen. Worauf und vor allem wie lange sollen wir denn nun noch verzichten? Und es sei die Frage erlaubt: Will Gott, dass wir fasten? Braucht er unseren Verzicht, damit er uns anschließend sozusagen zur Belohnung seine Güte zeigt, indem er uns mit Glück und Segen beschenkt?

Jesaja würde eindeutig sagen: „Nein! Gott will und braucht euer Fasten nicht. Und Gott macht davon auch gar nicht abhängig, euch mit Glück und Segen zu überschütten. Ihr seht und geht mit eurer Art zu Fasten allerdings in die verkehrte Richtung. Wenn du deinem Körper etwas Gutes tun und zumindest in der Fasten-zeit gesünder leben willst als sonst, dann kann das nicht schaden. Wenn du deinem Geist etwas Gutes tun und dich auf das Wesentliche des Lebens besinnen willst, kann das auch nicht schaden. Wenn du deiner Seele etwas Gutes tun und dich Gott nähern willst, wird er sich nicht lange bitten lassen. Gott ist sehr geduldig, aber als Prediger und Prophet werde ich mittlerweile sehr ungeduldig.

Ihr wollt Gottes Nähe spüren, indem ihr Glück und Se-gen von ihm bekommt. Ihr wollt das auch gar nicht geschenkt bekommen, sondern etwas dafür tun. Da habe ich einen guten Tipp für euch: Kehrt eure Blickrichtung um! Schaut nicht auf Gott, sondern auf die Erde, auf die Welt, auf das Leben, auf die Menschen. Wenn ihr Glück wollt, dann teilt Glück aus. Wenn ihr Segen wollt, dann seid selber ein Segen für diese Welt. Wenn ihr Hilfe sucht, dann helft anderen. Wenn ihr Sicherheit sucht, dann seid verlässlich für andere. Wenn ihr eure Furcht überwinden wollt, dann nehmt anderen ihre Furcht. Wenn ihr gerecht behandelt werden wollt, dann behandelt andere gerecht. Wenn ihr geliebt werden wollt, dann verschenkt Liebe.

Gott hört euch sehr wohl. Wenn ihr wollt, dass Gott euch anhört, dann hört auf ihn, indem ihr auf die Nöte und Bitten der Menschen in Not hört. Gott sieht euch auch! Wenn ihr wollt, dass Gott euch ansieht, dann seht nach unten, wo Menschen am Boden sind.

Ja, ganz recht, das ist gar nicht so leicht! Es kostet Anstrengung, wenn du auf Gott schauen willst dich umzukehren und anstatt nach oben zu schauen, dich umzusehen in dieser Welt und im Leben um dich herum. Es ist aber die Wahrheit. Was soll ich dich mit zarten Händen streicheln und dir sagen, es würde schon alles von allein gut werden. Gott schenkt dir Glück und Segen. So wie du dir das für dein Leben wünscht, so wünscht sich Gott, dass du beides verteilst.

Vielleicht hilft es dir, dich darauf zu besinnen, wo dir das schon einmal gelungen ist. Damit meine ich nicht nur die Zeit der Corona-Pandemie. Du hast verzichtet zum Vorteil eines anderen. Du hast vergeben, zum Neuanfang einer anderen. Du hast mit deiner Zeit jemandem geholfen. Du hast mit deinem Dasein jemanden getröstet. Du hast gegeben, was jemand anderes dringend brauchte. Du hast etwas auf dich genommen, was jemand anderes befreit hat. Und, tat dir das am Ende nicht selbst gut?

Wenn du also willst, dass Glück und Segen, von dem Gott reichlich über uns ausschüttet, satt auf dich fällt, dann schau nicht nach oben, sondern umgekehrt, kehre dich um und schau nach unten.“

Amen.

Fürbittengebet:

Gott, du zeigst uns den Weg für unser Leben in dieser Welt.

Deine Liebe ist der rote Faden, dem wir folgen

können. Verzeih unseren Eigensinn und unsere Lieblosigkeit.

Erbarme dich unser und wecke unser Herz, dass wir uns derer erbarmen, die in Not sind.

Hab du im Blick, die wir übersehen.

Menschen, die bei klirrender Kälte draußen leben und schlafen müssen.

Menschen, die vertrieben wurden und nicht wissen, wohin sie gehören.

Menschen, die sich ängstigen um ihre Gesundheit und um andere, die ihnen nahestehen.

Menschen, die sich mit niemandem aussprechen können, niemanden zum Anlehnen oder Umarmen haben.

Menschen, die nicht wissen, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen.

Menschen, denen die Hoffnung abhanden gekommen ist.

Erbarme du dich, Gott, wo unser Erbarmen nicht ausreicht oder wir selber hilflos sind zu helfen.

Amen.