Andacht zum Sonntag Sexagesimä

Sonntag, 7. Februar 2021

Frank Thomaschewski

 

Votum

Im Namen Gottes, der uns begegnet als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Unsere Hilfe erwarten wir von Gott, der Himmel und Erde gemacht hat.

Aus Psalm 119 (Neue Genfer Übersetzung)

Für alle Ewigkeit, Herr, hat dein Wort Bestand, es steht so fest wie der Himmel.

Von Generation zu Generation währt deine Treue, du hast der Erde ihr Fundament gegeben, und so erhältst du sie.

Nach deinen Ordnungen gibt es Himmel und Erde bis heute, alles steht dir zu Diensten.

Hätte ich nicht so große Freude an deinem Gesetz, dann wäre ich längst zugrunde gegangen in meinem Elend!

Deine Zusagen sind für mich wie Gaumenfreuden, ja, sie sind süßer noch als Honig!

Aus deinen Ordnungen gewinne ich Einsicht, darum hasse ich jeden Weg der Lüge und der Falschheit.

Dein Wort leuchtet mir dort, wo ich gehe; es ist ein Licht auf meinem Weg.

Gib mir Halt, wie du es zugesagt hast! Dann habe ich wieder neue Lebenskraft. Lass mich in meiner Hoffnung nicht enttäuscht werden.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Gebet des Tages

Hören, wirklich zuhören, Gott, fällt uns oft schwer.

So viele Stimmen um uns herum, die uns beschäftigen, fordern und ängstigen.

Worauf sollen wir hören, wem uns zuwenden?

So viele Stimmen in uns, die uns umtreiben, antreiben und verwirren.

Worauf sollen wir hören? Was ist gut für uns?

Haben wir noch Ohren für dein Wort in all dem Stimmengewirr?

Dring doch durch zu uns.

Mach uns die Herzen weit und die Ohren auf, damit wir wissen, was du von uns willst.

Öffne uns Sinne und Verstand, damit dein lebendiges Wort uns leuchte und leite heute und alle Tage. Amen.

Lesung aus Lukas 8 (Basisbibel)

Eine große Volksmenge versammelte sich um Jesus, und aus allen Orten strömten die Leute zu ihm.

Da erzählte er ihnen ein Gleichnis: »Ein Bauer ging aufs Feld, um seine Saat auszusäen. Während er die Körner auswarf, fiel ein Teil davon auf den Weg. Die Körner wurden zertreten und die Vögel pickten sie auf. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden. Die Körner gingen auf und vertrockneten schnell wieder, weil sie keine Feuchtigkeit hatten. Ein weiterer Teil fiel zwischen die Disteln. Die Disteln gingen mit auf und erstickten die junge Saat. Aber ein anderer Teil fiel auf guten Boden. Die Körner gingen auf und brachten hundertfachen Ertrag.«

Dann rief Jesus noch: »Wer Ohren zum Hören hat, soll gut zuhören.«

Gedanken zum Bibeltext

Liebe Gemeinde,

mit Gleichnissen ist das so eine Sache. Kann man die einfach 1:1 übertragen, indem man jedem seine Rolle zu-weist? Gott ist der Sämann, die Frommen sind das fruchtbare Land, die anderen, weniger Frommen, sind die übrigen drei Viertel, bei denen aus unterschiedlichen Gründen Gottes Wort nicht ankommt? So wurde und wird das Gleichnis immer wieder verstanden. Darum heißt es dann in einem der beiden Wochenlieder zu diesem Sonntag von David Denicke:

Ach hilf, Herr, dass wir werden gleich dem guten, fruchtbarn Lande… (eg 196)

Diese Sichtweise kommt mir ziemlich schicksalsergeben vor. Wir zählen entweder zum fruchtbaren oder zum unfruchtbaren Land. Und so richtig können wir nichts daran ändern. So wie auch der Boden selbst nichts dazu kann, dass die Umstände für Fruchtbarkeit oder Unfruchtbarkeit sorgen.

Ich möchte einmal anders auf dieses Gleichnis blicken:

Wir als Kirche – nicht nur die Pfarrerinnen und Pfarrer, sondern wirklich alle – sind damit beauftragt, Gottes Wort in die Welt zu tragen. Wir sollen von Gott und seiner Liebe erzählen, predigen, singen… auch wenn Letzteres im Moment gerade nicht so gut geht. Damit sind wir in der Rolle des Bauern, der die Saat aussät. Das ist viel Arbeit und sie ist nicht immer von Erfolg gekrönt.

Die Kirche hat in dieser Zeit nicht mehr das Gewicht, das sie einmal hatte. Viele haben sich innerlich wie äußerlich abgewandt und möchten mit dem, was wir zu sagen haben, nichts zu tun haben. Sie hören schon länger nicht mehr auf das, was wir sagen – wenn wir uns denn noch die Mühe machen, solchen Menschen von dem zu erzählen, was uns wichtig ist.

Vieles, was wir sagen und tun, fällt also auf unfruchtbaren Boden. Es bringt bei einer großen Zahl von Menschen keine Frucht.

Aber – so sagt uns das Gleichnis – das eine oder andere fällt doch auf fruchtbaren Boden. Es erreicht doch die Ohren und Herzen von einigen Menschen. Und es kann dann gute Frucht bringen – sogar hundertfach.

Was wir reden und vor allem auch tun, kann Menschen in Bewegung bringen. Das ist die Zusage, die Jesus uns in diesem Gleichnis gibt. Er unterstützt uns in unserem Tun und Reden.

Gottes Wort, das die Welt aus dem Nichts geschaffen hat, wirkt weiterhin. Auch wo wir nur viel Arbeit und wenig Erfolg sehen, dürfen wir darauf hoffen.

In der Schöpfung hatte Gott das erste Wort, am Ende wird er das letzte Wort haben. Und wie sein erstes Wort das Licht erschuf, wird auch sein letztes Wort vom Licht sprechen – von dem Licht, dass uns in seinem ewigen Reich leuchten wird. Davon erzählt das andere Wochenlied: „Gott hat das erste Wort.“ (eg 199)

Mich beschäftigt seit der Inauguration des US-Präsidenten Joe Biden das Gedicht, das Amanda Gorman bei diesem Anlass präsentierte. Darin geht es genau da-rum, dass es Rückschläge geben mag, dass es aber immer wieder Hoffnung auf Licht geben wird. Eine Hoffnung, die nicht nur passiv abwartet, sondern auch zu Aktivität anreizen soll. Das Gedicht endet mit den Worten:

Der neue Morgen strahlt, wenn wir ihm Raum geben.

Denn da ist immer Licht,

wenn wir nur mutig genug sind, es zu sehen,

wenn wir nur mutig genug sind, es zu sein.

Im Original:

The new dawn blooms as we free it

For there is always light,

if only we’re brave enough to see it

If only we’re brave enough to be it

Da wird es immer wieder Hindernisse, Enttäuschungen und Rückschläge geben. Aber was gelingt, wird all das in den Schatten stellen. Und dass es gelingt, ist uns zugesagt. Amen.

Lied: „Gott hat das erste Wort“ eg 199

Gott hat das erste Wort. | Es schuf aus Nichts die Welten

und wird allmächtig gelten | und gehn von Ort zu Ort.

Gott hat das erste Wort. | Eh wir zum Leben kamen,

rief er uns schon mit Namen | und ruft uns fort und fort.

Gott hat das letzte Wort, | das Wort in dem Gerichte

am Ziel der Weltgeschichte, | dann an der Zeiten Bord.

Gott hat das letzte Wort. | Er wird es neu uns sagen

dereinst nach diesen Tagen | im ewgen Lichte dort.

Gott steht am Anbeginn | und er wird alles enden.

In seinen starken Händen | liegt Ursprung, Ziel und Sinn.

Fürbitten

Gott, wir haben dein lebendiges Wort gehört. Du hast es uns ans Herz gelegt.

Lass es uns nicht hören, als sei es in den Wind gesprochen. Lass es uns nicht hören, als sei es nur eine Sonntagsrede. Lass es uns uns zu Herzen nehmen und mitnehmen in unseren Alltag und unsere Welt.

Dein Wort will weiterwirken. Gib uns den Mut, es mit der Welt zu teilen in Worten und Taten.

Lass uns zu denen gehen, die angesichts der gegenwärtigen Lage verzweifelt und verzagt sind, und dein Wort der Hoffnung weitergeben.

Lass uns zu denen gehen, die Schuld auf sich geladen haben, und ihnen dein Wort der Barmherzigkeit zusprechen.

Lass uns zu denen gehen, die Verantwortung in Politik und Gesellschaft tragen, und dein Wort des Friedens verkündigen.

Lass uns zu denen gehen, die gefangen und gefoltert werden, und ihnen dein Wort des Widerstands zurufen.

Lass uns zu denen gehen, die im Streit miteinander liegen, und dein Wort der Versöhnung mit ihnen teilen.

Lass uns zu denen gehen, die fragen und zweifeln, und ihnen dein Wort der Liebe weitersagen.

Es ist lebendig und kräftig und scharf. Es weist uns und der Welt den Weg.

Heute und in Ewigkeit. Amen.

Vaterunser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe dein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen.