Andacht am 25. April 2021

Jubilate

Pfarrer Ralf Greth

Musik: Christoph Hamburger

Votum:

Im Namen Gottes, der uns begegnet als

Vater, Sohn und Heilige Geistkraft.

Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Wochenspruch

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

(2. Korinther 5,17)

Psalm 66,1-9:

Jauchzet Gott, alle Lande!
Lobsinget zur Ehre seines Namens;
rühmet ihn herrlich!
Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!
Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.
Alles Land bete dich an und lobsinge dir,
lobsinge deinem Namen.
Kommt her und sehet an die Werke Gottes,
der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Er verwandelte das Meer in trockenes Land,
sie gingen zu Fuß durch den Strom;
dort wollen wir uns seiner freuen.
Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,
seine Augen schauen auf die Völker.
Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.
Lobet, ihr Völker, unsern Gott,
lasst seinen Ruhm weit erschallen,
der unsre Seelen am Leben erhält
und lässt unsere Füße nicht gleiten.

Gebet:

Frei und unbeschwert jauchzen und jubeln, so wollen wir dir, Gott, begegnen.
Frei und unbeschwert sind wir nicht, unser Jubel ist verhalten.
Wir müssen erst loswerden, was uns belastet.
Dir legen wir alles vor, was uns betrübt und beschwert.
Für manches fehlen uns sogar die Worte.
Befreie uns davon!
Wir wollen jauchzen und jubeln und uns des Lebens freuen.
Wir wollen mit neuem Schwung ins Leben gehen.
Gib uns die Freude ins Herz, voller Mut und Hoffnung.
Amen.

Gnadenzusage:

Halleluja!

Lobt Gott in seinem Heiligtum!

Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!

Halleluja!

 (Psalm 150,1a+6)

Lesung aus 1. Mose 1,1-4a.26-28.31a;2,1-4a:

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde
war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und
der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.
Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
Und Gott sah, dass das Licht gut war.
Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein
Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische
im Meer und über die Vögel unter dem Himmel
und über das Vieh und über die ganze Erde und über
alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf
den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes
schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und
Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar
und mehret euch und füllet die Erde und machet sie
euch untertan und herrschet über die Fische im Meer
und über die Vögel unter dem Himmel und über alles
Getier, das auf Erden kriecht.
Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe,
es war sehr gut. Und so vollendete Gott am siebenten
Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am
siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht
hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und
heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken,
die Gott geschaffen und gemacht hatte.
Dies ist die Geschichte von Himmel und Erde, da sie
geschaffen wurden.

Glaubensbekenntnis

Predigttext Apostelgeschichte 17,22-34:

Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt.

Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat und den er vor allen Menschen bestätigt hat, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.

Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. So ging Paulus weg aus ihrer Mitte. Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen. 

Predigt:

Liebe Gemeinde!

Vogelgezwitscher weckt mich früh am Morgen. Ich schaue von meinem Kopfkissen durch noch blattlose Baumwipfel in den Himmel. Strahlendes Blau mit ein paar weißen Wolken laden mich ein, den Morgen zu begrüßen. Das Fenster ist offen. Ich atme die frische Luft, strecke meinen Körper noch im Liegen und freue mich des Lebens. Ich bekomme Lust aufzustehen und den Tag zu beginnen. Ein zartes „Danke“ entweicht meinen Lippen. Da begrüßt mich der Hund und freut sich ganz offensichtlich. Als erstes gehen wir nach draußen. Es ist noch frisch, aber es soll endlich wärmer werden. Noch ist kaum jemand anderes draußen zu sehen. Aber wir können das erwachende Leben hören und riechen.

Leiser Jubel mischt sich in meine Stimmung, obwohl ich noch keinen Kaffee hatte, kein Frühstück und keine Zeitung. Um mich herum erwacht das Leben.

Gottes Schöpfung kommt mir in den Sinn. Die Rede von Gottes Schöpfung ist keine naturwissenschaftliche Erklärung, das begreife ich in diesem Moment wieder. Sie ist vielmehr eine Liebeserklärung und ein Dank, ja ein Jubel ist sie über diese Erfahrung am Morgen. Ich bin aufgewacht. Ein neuer Tag ist mir geschenkt. Um mich herum erwacht noch viel mehr Leben neu. An jedem neuen Morgen und ganz besonders im Frühling weckt die Freude über das Leben den Jubel in mir.

Noch viel mehr wird dieser Jubel über das neu erwachende Leben bei jeder Geburt laut. Das erste Schreien eines neugeborenen Kindes ist ein Jubelschrei des Lebens.

An solch einem Morgen bin ich fröhlich und voller Tatendrang. Motivation dafür, den Tag, das Leben und sogar Probleme anzugehen, durchströmt und stärkt mich. Ich fühle mich sozusagen wie neu geboren. Wenn ich darüber nachsinne bekomme ich eine Ahnung davon, was mit der Neuschöpfung Gottes gemeint sein muss. Ich bekomme eine Ahnung davon, dass Auferstehung von den Toten doch nicht so unglaubwürdig ist, wie alle Kritiker und Zweifler sagen. An diesem Morgen kann ich mich einlassen auf die Hoffnung, dass das Leben viel zu stark und viel zu wertvoll dafür ist, als dass man es totreden könnte.

Paulus war in Athen, der griechischen Metropole, schreibt Lukas. Da wimmelte es von gelehrten Menschen, die sich über das Leben, den Lebenssinn und die Religion viele tiefgreifende Gedanken machten. Paulus scheute sich nicht vor ihnen und ergriff mutig das Wort. Er stand entweder vor dem Stadion oder darin. Auf jeden Fall ist ein größeres Publikum zu vermuten, vor dem er da sprach. Recht geschickt nahm Paulus deren Sprache und Vorstellungswelt auf. Er argumentierte mit der Schöpfung Gottes, der wir entstammen, dass wir Menschen also aus Gottes Willen leben. Besonders in Athen hatten die Menschen eine andere Vorstellung vom Sein und Leben des Menschen. Genau diese Menschen wollte Paulus erreichen mit seiner Rede. Er lud sie ein, umzukehren und sich diesem Gott, der das Leben will und geschaffen hat, zuzuwenden. Dazu habe Gott Jesus in die Welt geschickt, argumentierte Paulus, ohne dessen Namen zu nennen. Stattdessen erwähnte Paulus das entscheidende Kriterium, nämlich dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat.

An der Auferweckung von den Toten scheiden sich die Geister. Das ist nicht jedermanns Sache. Paulus erntete an dieser Stelle Ablehnung und Spott. Doch nicht von allen Menschen. Es gab auch welche, die sich ihm anschlossen und glaubten.

So ist es, liebe Gemeinde! An der Botschaft von der Auferstehung Jesu, dem Herzstück unseres christlichen Glaubens, scheiden sich die Geister. Das kennen wir sogar teilweise in uns selbst, wenn uns Zweifel kommen. Unverständnis über die Auferstehung Jesu und auch über die Auferstehung der Toten macht sich schnell breit, wenn wir fragen: „Wie kann das sein?“ Dann spricht die Erfahrung des Todes mitten im Leben und unser naturwissenschaftlich geprägtes Denken dagegen.

„Wie kann das sein, Auferstehung von den Toten?“ Auf diese Frage möchte ich heute antworten mit meiner Erfahrung am frühen Morgen, wie ich sie zu Beginn der Predigt geschildert habe. Da steht nicht Unverständnis und Zweifel im Vordergrund. Da steht Wertschätzung des Lebens im Vordergrund. Dann staune und freue ich mich und sogar Jubel bewegt mich. Mit meiner zarten Ahnung von dem, was Auferstehung sein kann, wird mir die Schönheit und der Wert des Lebens erneut bewusst. Mit meiner leisen Ahnung von dem, was Neuschöpfung Gottes sein kann, wird mir die Kraft und der Wille des Lebens zur Freude. Mir wird erkennbar, dass jedes Leben unendlich kostbar ist, zumindest für Gott.

Darüber freue ich mich, sage „Danke“ und beginne zu jubeln. Ich bin davon begeistert und spüre Trost, angesichts der vielen trostlosen Nachrichten, die gegen das Leben sprechen. Ich spüre neue Kraft in mir und möchte dem Leben entgegen gehen. In mir wird neue Hoffnung geweckt, die mich motiviert, Geduld aufzubringen, wenn wir in dieser Zeit nicht leben können, wie wir wollen.

Außerdem erklingt für mich auch ein Auftrag aus dieser Wertschätzung heraus: Ich trage durch mein Tun und Lassen zum Leben bei. Da möchte ich doch eher für das Leben handeln als dagegen. Was mich jubeln lässt, möchte ich schützen und fördern, dass auch andere jubeln können. Deshalb möchte ich auch Anstifter für Freude und Jubel sein, auch und besonders dann, wenn so vieles dagegen spricht. Wir werden wieder aufstehen aus dem Dilemma dieser Zeit und es wird neues Leben daraus hervorgehen.

Amen.

Fürbittengebet:

Gott, Schöpfer des Lebens,
schön ist die Welt, die du geschaffen hast.
Wir freuen uns zu sehen, wenn alles wieder grün wird
oder zu blühen beginnt und wir den Gesang der Vögel
hören. Das Leben erwacht erneut. Das belebt unseren
Geist und Lebensmut.
Erhalte deine Schöpfung. Bewege uns, achtsam mit
der Erde und mit allem, was lebt, zu sein.

Jesus Christus, Lebendiger,
du hilfst Menschen, dass sie neu ins Leben finden.
Deine Liebe ermutigt.
Deine Vergebung befreit.
Bewege uns dazu, aufeinander zuzugehen, einander
zu stärken und Freude zu wecken.

Heiliger Geist, lebendige Kraft Gottes,
wecke in uns die Begeisterung für ein Leben, in dem
niemand außer Acht gelassen wird, sondern alle bekommen,
was sie zum Leben brauchen.
Mehr noch, wecke deinen Jubel für das Leben in unseren
Herzen, dass wir ihn verbreiten in dieser Welt.
Amen.

Vaterunser:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme,
dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere
Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns
von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen:

Der Herr segnet und behütet dich.
Der Herr lässt sein gutes Angesicht über dir leuchten
und ist dir gnädig.
Der Herr legt sein Angesicht auf dich und schenkt dir
seinen Frieden. Amen.