Andacht zum 1. Sonntag nach Ostern – Quasimodogeniti

Pfarrerin Sabine Breithaupt-Schlak

Musik

Tobias Gomm - Horn

Holger John - Orgel/Piano

Votum

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Wochenspruch

Wir leben von Hoffnung. Der Wochenspruch verspricht uns Hoffnung: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten (1. Petrusbrief 1,3). Aus dieser Hoffnung leben wir: Dass der Tod eine Grenze ist, hinter der die Ewigkeit wartet, und dass diese Hoffnung auch in unser Leben leuchtet und uns jetzt schon verwandeln kann. 

Psalm (Psalm 116,1-9.13)

Das ist mir lieb,
dass der HERR meine Stimme und mein Flehen hört.
Denn er neigte sein Ohr zu mir,
darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

Gebet

Gott, Schöpfer des Lichts, beglückt vom Osterfest danken wir dir. Du schenkst Hoffnung gegen den Augenschein. Neues Leben ist dein Geschenk. Hilf uns aus dem Dunkel zum Licht. Amen

Lesung aus Johannes 21,1-14

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch den Fisch. Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war. (Lutherbibel 2017)

Glaubensbekenntnis

Auf diese Sätze haben sich die Christinnen und Christen der frühen Kirche geeinigt, um sich in ihrem Glauben zu vergewissern. Sie wurden über die Jahrhunderte weitergegeben und werden bis heute  im Gottesdienst gemeinsam gesprochen.

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Predigt

Als wäre es das erste Mal. Ostern. Als wäre es das erste Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbart, nachdem er von den Toten auferstanden ist. Sie wissen es nicht. Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb. Jesus steht am Ufer. Sie wissen es nicht, dass es Jesus ist. Es ist Nacht. Sie gehen ihrer Arbeit nach. Sie gehen fischen. Alle zusammen. Zurück in die Normalität. Schweigend. Kein Wort über das, was passiert ist. Karfreitag. Kreuz. Tod. Kein Wort über das Ende. Über das Ende ihrer bewegenden Anfänge mit Jesus. Kein Wort über ihre Hoffnungen und Träume. Dunkel ist es. Draußen. Und innendrin. 

Ihren Sohn verliert sie vor wenigen Jahren. Sein Tod schmerzt immer noch. Und nun wird plötzlich die Tochter krank. Kommt ins Krankenhaus, auf die Intensivstation. Ihr Mann kehrt zurück mit der Nachricht: Der Zustand der Tochter ist sehr kritisch. Da nimmt sie erst mal die Wäsche und stellt die Waschmaschine an. Weiter im Alltag. Kein Wort über das, was passiert. Dunkel ist es. Draußen. Und innendrin.

Morgenlicht leuchtet. Jesus steht am Ufer. Flügel der Morgenröte. Was für ein Naturschauspiel. An der Dämmrung Pforte. Im Übergang. Von der Nacht zum Licht des neuen Tages.

Mein Wecker klingelt morgens früh um fünf, erzählt die Altenpflegerin. Bevor der Tag mit seinem ganzen Trubel beginnt, habe ich einen Moment ganz für mich alleine. Das brauche ich einfach. Stille Zeit. Vor dem offenen Fenster. Draußen im Garten dämmert’s. Ich lese die Herrnhuter Losungen für jeden Tag. Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nah und spricht.

Jesus steht am Ufer. Der Fürsorgliche. Er sieht sie. Die Mühe. In dieser Nacht fangen sie nichts. Er nimmt sie wahr, die Enttäuschung. Wieder nichts verdient. Wozu die ganze Mühe, wenn wir doch nicht auf einen grünen Zweig kommen. Wo bleiben die Hilfen und Überbrückungsgelder? Prämien für Krankenschwestern, Kassiererinnen, Erzieherinnen, Pflegekräfte?

Jesus steht am Ufer. Der Mutmacher. Er sieht die Arbeit. Schätzt, wertschätzt menschliches Tun. Würdigt allen Einsatz im Geist der Nächstenliebe. In der Diakonie. In der Kirche. In der Welt. Und bemerkt die Rückschläge. Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes. Die rechte Seite. Die Glücksseite. Sagt der, der schweres Leid durchgestanden hat. Verrat von Freunden. Vorgeführt werden. Bespuckt und beleidigt. Sich von Gott und der Welt verlassen fühlen. Jesus kennt was vom Leben. Er schreit es seinem Gott entgegen. Bis er stirbt. Tod drei Tage lang. Und sein Beten im Garten klingt nach: Dein Wille geschehe.

Als wäre es das erste Mal. Jetzt steht er am Ufer. Wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung von den Toten. Lebendig. Wie kommt nach großem Leiden nun ein so großes Licht. Glücksseite. Da werfen sie es aus. Weil Jesus es sagt. Und wissen gar nicht, dass er es ist. Sie vertrauen ihm. Wie Kinder.

Zwei Männer stehen an der Gartenmauer. Der eine klagt dem anderen: In der Welt gibt es kein Vertrauen mehr. Jede und jeder misstraut dem anderen. Da kommen zwei Jungs vorbei. Kommt mal her, ruft der eine Mann den Jungs zu. Er hebt einen der beiden hoch, stellt ihn auf die Mauer. Der Mann tritt einen großen Schritt zurück, breitet die Arme aus: Spring! Ich fang dich auf. Ohne zu zögern springt der Junge. Der Mann fängt ihn auf. Dasselbe macht er mit dem zweiten Jungen. Stellt ihn auf die Mauer. Fordert ihn auf zu springen. Dieser Junge ist unsicher. Er bleibt stehen. Schließlich klettert er von der Mauer herunter. Warum springt der eine und der andere nicht, fragt der Mann, der das Vertrauen in der Welt vermisst. Ganz einfach. Der eine ist mein Sohn. Er vertraut mir. Sein Freund kennt mich nicht so gut. Vertraut mir nicht so. Menschen vertrauen einander, wenn sie das Gefühl haben, sicher zu sein. Der Sohn weiß intuitiv, sein Vater wird ihn bestimmt nicht fallen lassen. Da werfen sie die Netze aus und können’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Dem Ersten gehen die Augen auf. Es ist der Herr. Tatsächlich. Jetzt erkennen wir’s auch. Lebendig ist er ganz in unserer Nähe. Da am Ufer. Spricht zu uns. Petrus zieht sich schnell was an, um dem Lebendigen unter die Augen treten zu können. Petrus kleidet sich und wirft sich in den See.

„Das Geheimnis des Glaubens ist wie ein tiefes Wasser, in das man springt, ohne dass man genügend schwimmen kann“, so hat es der Theologe Fulbert Steffensky ausgedrückt.  

Zum Glauben können wir nicht überredet werden. Zum Glauben gehört das Wagnis. Zum Glauben führt uns die Gemeinschaft der Hoffenden und Glaubenden, die wie die Jünger damals, auf einmal spüren: Es ist der Herr, er ist mitten unter uns. Jesus weiß, was nottut. Gibt uns alles, was wir brauchen. Sein Auftrag: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt. Petrus zieht das gefüllte Netz an Land. Voll großer Fische. Hundertdreiundfünfzig. Zahl für die Fülle. Die Fülle des Lebens. Glaubensfrüchte. In Hülle und Fülle. Obwohl es so viele sind, zerreißt das Netz doch nicht. Glücksseite.

Die Geschichte erzählt das große Wunder, wie Jesus den verzweifelten und resignierten Jüngern in einem Moment begegnete, als sie alle Hoffnung aufgegeben hatten. Das macht auch uns Hoffnung. Weiter im Normalmodus auf Flügeln der Morgenröte. 

Amen

Fürbittengebet und Vater unser

Lasst uns beten zu Gott, unserem Vater, durch den wir in Christus das Leben haben:

Für unsere Mütter und Väter und alle, die uns mit ihrer Liebe begleiten: Dass sie mit Christus das Leben gewinnen, und dass wir alle mit ihm bereit sind, es täglich anderen hinzugeben.

Für unsere Verwandten, Freunde und Bekannten und für alle, mit denen wir zusammen leben und arbeiten:

Dass wir einander verbunden bleiben in guten und bösen Tagen, in Vertrauen und gegenseitigem Verstehen.

Für unsere christlichen Kirchen: Dass sie den Lebenden nicht bei den Toten suchen, wenn sie Christus den Menschen verkündigen und Anteil nehmen an den Fragen und Nöten der Welt von heute.

Für die Großen der Weltpolitik: Dass ihre Entscheidungen niemandem den Tod bringen; dass sie kein Volk und keinen Menschen bedrücken und ausbeuten, sondern allein das Wohl und den Frieden der Menschen suchen.

Herr, unser Gott, dir verdanken wir unser Leben inmitten einer Welt voll Veränderung und Vergänglichkeit. Stärke uns in der Hoffnung, dass das Gute stärker ist als das Böse und das Leben mächtiger als der Tod.

Darum bitten wir dich durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der uns in Tod und Auferstehung den Weg vorausging und der mit dir lebt in Ewigkeit. In dieser Hoffnung beten wir weiter:  

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig
Gott hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Amen