ANDACHT ZUM SONNTAG MISERICORDIAS DOMINI

(„GÜTE DES HERRN“ – SONNTAG DES GUTEN HIRTEN)

18. April 2021

Frank Thomaschewski

Musik: Sarah Jung

VOTUM

Im Namen Gottes, der uns begegnet
als Vater, Sohn und Heilige Geistkraft. Amen.
Unsere Hilfe erwarten wir von Gott,
der Himmel und Erde gemacht hat.

WOCHENSPRUCH – Johannes 10, 11a.27-28a

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte.
Meine Schafe hören meine Stimme,
und ich kenne sie und sie folgen mir;
und ich gebe ihnen das ewige Leben

PSALM 23 (Luther 2017)

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

GEBET

Hüter Israels und Beschützer der Welt, wir bitten dich:
Lass uns deine Stimme hören, damit wir im Glauben gestärkt werden
und die Wege erkennen, die du uns führen willst:
unsere persönlichen Wege,
den Weg dieser Gemeinde und deiner Kirche
den Weg der ganzen Welt.
Dir vertrauen wir uns an. Amen.

LESUNG AUS EZECHIEL / HESEKIEL 34 (Basisbibel)

Da erreichte mich das Wort des Lebendigen: Mensch, rede prophetisch über die Hirtinnen und Hirten Israels, rede prophetisch und sprich zu ihnen, denen die Herde anvertraut ist: So spricht der Lebendige, mächtig über allen: Wehe den Hirtinnen und Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen Hirtinnen und Hirten nicht die Herde weiden? …

So spricht der Lebendige, mächtig über allen: Jetzt gehe ich ge-gen die Hirtinnen und Hirten vor! Ich fordere meine Herde aus ihrer Hand zurück, ich mache ihrem Hüten meiner Herde ein Ende. Die für die Herde verantwortlich sind, sollen sich nicht länger selbst weiden. Ich rette meine Herde aus ihrem Rachen, sie soll ihnen nicht länger zum Fraß werden. Ja, so spricht die Lebendige, mächtig über allen: Seht her, ich bin da und frage nach meiner Herde und gebe auf sie Acht. Wie jeder Hirte und jede Hirtin auf die eigene Herde Acht gibt, wenn sie bei den sich lagernden Tieren sind, so will ich auf meine Herde Acht geben: Ich berge sie von allen Orten, an die sie sich zerstreut hat am Tag der Wolken und der Dunkelheit. Ich führe sie aus den Völkern heraus und sammle sie ein aus den Ländern. Ich bringe sie in ihr Land. Ich weide sie auf den Bergen Israels, an den Wasserläufen und allen Wohnorten des Landes. Auf guter Weide werde ich sie weiden, und auf den hohen Bergen Israels wird ihr Weideland sein. Dort werden sie lagern auf gutem Weideland, fette Weide werden sie finden auf Israels Bergen. Ich selbst werde meine Herde weiden, ich selbst werde sie sich la-gern lassen – Ausspruch des Lebendigen, mächtig über allen. Die Verlorenen werde ich suchen, die sich verirrt haben, werde ich zurückbringen, die Gebrochenen werde ich stützen, und die Schwachen werde ich stärken. Den Fetten und Starken aber werde ich Einhalt gebieten – ich werde sie weiden, wie es dem Recht entspricht. …

Ihr seid meine Herde, Herde meiner Weide, Menschheit seid ihr, und ich bin Gott, für euch da – Ausspruch des Lebendigen, mächtig über allen.

Halleluja.

Gott hat uns gemacht und nicht wir selbst

zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.

Halleluja.

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.

Halleluja.

GEDANKEN ZUM BIBELTEXT

Liebe Gemeinde, der heutige Sonntag ist der „Sonntag des guten Hirten“. Im Wochenspruch und im Psalm ist von ihm die Rede. Auch in dem Text aus dem Buch des Propheten Ezechiel. Allerdings spielen da auch schlechte Hirtinnen und Hirten eine Rolle. Das Leben ist nämlich kein Hirtenidyll, in dem alles immer in bester Ordnung ist. Das wissen wir. Das sehen wir, wenn wir uns nur in der Welt umsehen.

An Gott als dem guten Hirten liegt das nicht. Eher an den Hirtinnen und Hirten der mittleren Ebene. Da sind menschliche Hirtinnen und Hirten zwischengeschaltet, die sich um die anderen Menschen kümmern sollen, das aber nicht immer zu aller Zufriedenheit tun. Diese Zwischenebene gibt es im kirchlich-religiösen Bereich, aber auch im weltlich-politischen Bereich. In der Zeit des Propheten war das nicht zu trennen. Und auch heute sollte Moral in beiden Bereichen gelten.

Keine Sorge, ich möchte mich nicht in die im Moment allzu beliebte Schelte auf alle möglichen Verantwortlichen einreihen. Dazu gibt es an vielen Stellen vielleicht Anlass, aber nicht so grundsätzlich und umfassend wie das gerade in Medien und sozialen Netzwerken geschieht. Ich möchte gerade auch nicht letzte Verantwortung für die Maßnahmen übernehmen müssen, die zu treffen sind. Niemand hat da das Patentrezept. Da kann man nur Fehler machen. Da kann man es nicht allen recht machen, weil jeder an sich selbst und seine Bedürfnisse denkt. Jede Maßnahme hat ihre Berechtigung, aber auch ihre Probleme.

Nein, kein allgemeiner Rundumschlag gegen diejenigen, die Verantwortung tragen.

Wir müssen aber über diejenigen reden, die ihre Verantwortung zum eigenen Vorteil nutzen. Da gibt es Menschen in der Politik, die es verstehen, sich an der Krise zu bereichern. Aber da gibt es auch Menschen in den Kirchen, die ihren Vorteil daraus ziehen, dass zum Beispiel um des lieben Friedens nach außen Willen schreckliche Verfehlungen unter den Teppich gekehrt werden – und das nicht nur in der römisch-katholischen Kirche. Auch wir können unsere Hände nicht komplett in Unschuld waschen.

Schlimm genug, wenn in der Politik bei einigen schwarzen Schafen Eigennutz vor Gemeinnutz geht. Noch schlimmer aber, wenn Hirtinnen und Hirten innerhalb der Kirche sich benehmen wie die Axt im Walde. Und wenn sie – hier muss ich doch noch einmal die römlisch-katholische Kirche in den Blick nehmen, aber auch einige Gruppierungen und Menschen in den evangelischen Kirchen – Gottes Segen ganzen Menschengruppen vorenthalten wollen, die – davon bin ich zutiefst überzeugt – auch von Gott geliebt werden. Deutlich gesagt: wenn homosexuellen Menschen die Partnerschaftssegnung verweigert wird.

Ich habe in den letzten Jahren mehrere lesbische und schwule Paare trauen dürfen und konnte miterleben, wie ernsthaft ihr Anliegen war und wie wichtig ihnen diese Anerkennung der Amtskirche war. Die Anerkennung Gottes habe ich nie in Zweifel gezogen. Die der Amtskirche ließ auf sich warten. Und unsere römisch-katholischen Geschwister können darauf noch lange warten – zumindest wenn es nach Rom geht. Hier in Dortmund sieht was ja anders aus. Vor St. Benno und St. Ewaldi hängen gerade Regenbogenfahnen als Protest der katholischen Gemeinden gegen die Verlautbarungen aus Rom. Wo sind da die guten Hirten und wo die schlechten Hirten?

Gott als der gute Hirte, hat einen Hirtenstab – einen Maßstab, einen Orientierungsstab. Dieser Stab ist die Liebe. Sie ist der Kompass für den Weg durch unübersichtliches Gelände. Daran sollten sich alle orientieren: die Schafe, aber auch die Hirtinnen und Hirten, denen die Schafe anvertraut sind. Die kirchlich-religiösen ebenso wie die weltlich-politischen.

Und manchmal müssen die Schafe auch auf die Hirtinnen und Hirten aufpassen und sie an den richtigen Hirtenstab erinnern. Man kann sich auch gemütlich als Schaf einrichten und alles den Hirtinnen und Hirten überlassen. Im Falle von Gott ist das gut und richtig. Im Falle der mittleren Ebene ist das aber fahrlässig. Auch die auf der unteren Ebene haben eine Verantwortung. Und die sollte nicht nur im Meckern bestehen. Verantwortung zu tragen, ist gerade im Moment schwierig. Da müssen wir auch Nachsicht walten lassen. Wo aber Verfehlungen aus Eigennutz oder Starrsinn geschehen, muss man das auch benennen. Da muss Recht auch Recht bleiben. Darauf weist der Prophet hin, darauf weist Gott hin.

Amen.

LIED: „Gott weidet mich“ lautstärke 34 (Liederbuch DEKT 2019)

Gott weidet mich, mir fehlt es an nichts.

So kann ich atmen und geh’n.

Auf grüner Wiese zu Wassern der Ruhe.

So kann ich atmen und geh’n.

 

Meine Lebendigkeit kehrt zurück.

So kann ich atmen und geh’n.

Führt mich auf gerechten Spuren.

So kann ich atmen und geh’n.

 

Auf finstrem Weg fürcht‘ ich mich nicht.

So kann ich atmen und geh’n.

Ja, du bist bei mir, dein Stab deine Stütze.

So kann ich atmen und geh’n.

 

Du deckst den Tisch in aller Bedrängnis.

So kann ich atmen und geh’n.

Du salbst mein Haupt und schenkst mir voll ein.

So kann ich atmen und geh’n.

 

Gutes und Freundliches werden mir folgen.

So kann ich atmen und geh’n.

Heimkommen wird‘ ich in Gottes Haus.

So kann ich atmen und geh’n.

 

Immer, für immer, Zeit meines Lebens,

So kann ich atmen und geh’n.

Immer, für immer, Zeit meines Lebens

So kann ich atmen und geh’n.

 

Christian Lühder (nach Psalm 23)

FÜRBITTENGEBET

Gott, guter Hirte.

Durch dich sind wir alle Schafe und Hirten zugleich,

Menschen, die hoffen und Hoffnung geben,

die getröstet sind und trösten,

die versöhnt sind und versöhnen,

die Frieden haben und Frieden stiften.

 

Hilf du uns, unsere Verantwortung zu tragen

Zeig uns, wo wir uns auf dich als unseren guten Hirten verlassen können

und wo wir selbst anderen Orientierung, Kraft und Trost geben können.

 

Zeig uns aber auch, wo wir in Gefahr geraten,

zu schlechten Hirten zu werden, die nur ihren Vorteil sehen

und denen das Wohlergehen der anderen egal ist.

 

Und wenn wir einmal zu schlechten Hirten geworden sind,

schenke uns die Größe, das einzusehen und einzugestehen,

und die Kraft, uns zu ändern.

 

Erinnere uns immer daran, dass dein Hirtenstab,

dein Orientierungsmaßstab,

die Liebe ist.

 

Schenk uns deine Liebe und hilf uns,

sie weiter zu verschenken

und unseren Weg danach auszurichten.

 

Dann können wir gute Hirten in deinem Sinne werden.

Dir zum Lob und zum Wohl unserer Mitmenschen.

 

Amen.

VATERUNSER

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

SEGEN

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen.