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Abendmahl

Abendmahl

In der Evangelischen Kirche kennen wir zwei Sakramente: die Taufe und das Abendmahl. Ein Sakrament ist eine heilige, symbolische Zeichenhandlung, die von Jesus Christus selbst eingesetzt und geboten wurde. Neben der sichtbaren Ebene gibt es also immer noch eine weitere Ebene, die gedeutet werden muss.

 

Mit der Taufe wird die Zugehörigkeit eines Menschen zur christlichen Gemeinschaft vorbehaltlos begründet. Sie ist nicht wieder aufhebbar. Die Taufe besteht nicht nur aus der eigentlichen Taufhandlung, sondern umfasst einen lebenslangen Lernprozess. Bei der Taufhandlung wird dem Täufling dreimal Wasser über den Kopf gegossen und die sog. Taufformel gesprochen: Ich taufe dich auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Die Taufe ist von Jesus Christus selbst eingesetzt worden, wie im Matthäus-Evangelium (Mt 28,18-20) nachzulesen ist:

 

Jesus Christus spricht: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.

 

Auch das Abendmahl geht auf Jesus Christus selbst zurück. Er hat im Laufe seines Lebens als frommer Jude oft mit seinen Freunden das jüdische Passamahl gefeiert. Am letzten Abend vor seiner Verhaftung und Kreuzigung hat er diesem Mahl aber eine neue Bedeutung verliehen, indem er es auf seinen eigenen Tod hin gedeutet hat. Menschen, die sich mit Christus verbunden wissen, teilen bis heute Brot und Wein/Traubensaft miteinander, wenn sie das Abendmahl miteinander feiern. Die sog. Einsetzungsworte, die bei jeder Abendmahlsfeier gesprochen werden, sind zusammengesetzt aus den einzelnen Überlieferungen, die uns die Evangelisten gegeben haben und lauten:

 

In der Nacht, als Jesus verraten war, nahm er das Brot, dankte, brach’s, gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset. Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.

 

Ebenso nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte, gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus. Dieser Kelch ist das neue Testament (=der neue Bund) in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung eurer Sünde. Solches tut, sooft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.

 

Bei beiden Sakramenten verbindet sich also eine symbolische Zeichenhandlung mit einem entsprechenden Einsetzungswort Christi. Weder bei der Aufforderung zum Taufen noch bei der Aufforderung, das Abendmahl miteinander zu feiern finden sich bei Jesus irgendwelche Zulassungsbeschränkungen.

 

Das war zunächst auch nicht nötig, da die christliche Gemeinde eine reine Missionsgemeinde war. Sie setzte sich aus Menschen zusammen, die sich von der Lehre angesprochen fühlten und sich von sich aus der Gemeinde anschlossen, indem sie sich taufen ließen. Recht schnell hat man aber begonnen, auch Kinder und Säuglinge zu taufen. Das stand nicht im Widerspruch zum Taufbefehl, in dem es ausdrücklich heißt „taufet – und lehret“. Es ist also durchaus statthaft, Kindern den Segen Gottes bereits zuzusprechen und sie dann später in den Glaubensfragen zu unterweisen. Immer hatten Kinder aber auch den Zugang zum Abendmahl.

 

In der Evangelischen Kirche trat diese Praxis dann schrittweise in den Hintergrund. Man kam zunehmend zu der Überzeugung, dass bei den Gläubigen ein gewisser Wissensstandard in Glaubensfragen vorausgesetzt sein müsse, um die Zulassung zum Abendmahl zu erhalten. Der kirchliche Unterricht mit seinem Abschluss in Form der Konfirmation ist das Ergebnis dieser Entwicklung.

 

Abendmahl erst mit der Konfirmation – eine Fehlentwicklung

 

Heute kommen immer mehr TheologInnen und Gemeinden zu der Überzeugung, dass diese Entwicklung eine Verarmung in unserem gemeindlichen Glaubensleben darstellt:

 

Die Gemeinde wird künstlich auf gespalten in jene, die an der Gemeinschaft Jesu Christi in Form des Abendmahls teilhaben dürfen und jenen, die es nicht dürfen.

 

Bei der Konfirmation findet für viele Menschen das Abendmahl zum ersten- und zum letzten Mal in ihrem Leben statt. Zu fremd und unzugänglich erscheint ihnen dieses Ritual.

 

Das Abendmahlsverständnis der meisten Christen ist ausschließlich nur durch den Aspekt der Sündenvergebung geprägt. Dies ist eine sehr eindimensionale Beschränkung eines Sakraments, das eine Vielzahl von Zugängen in sich birgt.

 

Es besteht die Auffassung, dass ein gewisses Maß an Verstehen nötig sei, um das Abendmahl würdig zu begehen. Viele machen sich nicht klar, dass damit nicht nur Kinder, sondern auch geistig behinderte altersdemente Menschen ausgeschlossen werden.

 

Die Menschen, die miteinander das Abendmahl feiern, tun das aus ganz verschiedenen Motiven heraus, die sich alle an den Einsetzungsworten verankern lassen:

 

Abendmahl mit Kindern – In Berghofen feiert die ganze Gemeinde

 

Das Presbyterium hat sich nach ausführlicher Beratung und Auseinandersetzung mit der Gemeinde entschlossen das Abendmahl mit allen Gemeindegliedern zu feiern. Es waren viele Gründe, die dafür sprachen und letztlich überzeugt haben:

 

  • Einzige formale Bedingung zur Teilnahme am Abendmahl ist die Taufe. Die Taufe beinhaltet zum einen die Taufhandlung, zum anderen auch eine kontinuierliche Unterweisung des Täuflings.
  • Diese Unterweisung kann bereits im Kindesalter, z. B. im Kindergarten, einsetzen und sich jeweils auf dem Niveau bewegen, das ein Kind erfassen kann.
  • Für die Unterweisung sind Eltern und Paten im Rahmen ihrer Möglichkeiten zuständig. Die Gemeinde begleitet dieses Bemühen ihrerseits durch entsprechende Unterweisungen im Kindergarten, in den musikalischen Gruppen, bei den Kinderbibeltagen und nicht zuletzt auch weiterhin im kirchlichen Unterricht.

 

Die Menschen, die miteinander das Abendmahl feiern, tun das aus ganz verschiedenen Motiven heraus, die sich alle an den Einsetzungsworten verankern lassen:

 

  • Abendmahl bedeutet Gemeinschaft mit Christus. Auch Kinder sind in der Lage dies zu erleben.
  • Abendmahl ist Erinnerung an Jesus Christus als den Kopf der Gemeinde. Kindern ist Jesus gut vertraut und sie verstehen, was es heißt, sich an ihn zu erinnern.
  • Abendmahl zu feiern bedeutet, ein Stück vom Himmel zu spüren und damit auch ein Zeichen der Freude. In vielen biblischen Geschichten wird der Himmel beschrieben als ein fröhliches Fest, an dem gemeinsam das Abendmahl gefeiert wird. Auch dieser Gedanke ist Kindern zu vermitteln.
  • Abendmahl ist ein fühlbares Zeichen für die Sündenvergebung. Wir dürfen Gast sein am Tisch Gottes ohne es uns verdient zu haben.
  • Abendmahl feiern heißt immer auch, das Vorhandene miteinander zu teilen. Es ist Mahnung an uns, in der Welt diakonisch tätig zu sein.
  • Abendmahl ist sichtbarer Ausdruck von Gemeinschaft. Alle essen von demselben Teller und trinken aus demselben Kelch, ohne Ansehen der Person. Im Abendmahl wird immer auch die Hoffnung laut, dass irgendwann alle christlichen Konfessionen miteinander am Tisch des Herrn zusammenkommen werden.

 

Weil wir dies alles als richtig und wertvoll erkannt haben, sind in der Evangelischen Gemeinde Berghofen alle Christen, ob evangelisch oder katholisch, ob jung oder alt, zur Feier des Abendmahls eingeladen.

 

Wann?

 

Immer am ersten Sonntag des Monats und an den kirchlichen Feiertagen. Achten Sie auf die Gottesdienstankündigungen.

 

Wo?

 

Natürlich in unserer Kreuzkirche. Aber falls Sie körperlich nicht mehr in der Lage sind, den Gottesdienst zu besuchen, rufen Sie Ihre Pfarrerin/Ihren Pfarrer an. Wir bringen Ihnen das Abendmahl auch gern nach Hause an Ihr Bett.

 

Wie?

 

Wir feiern das Abendmahl immer sowohl mit Wein als auch mit Traubensaft. Beides ist absolut gleichwertig anzusehen. In der Regel kommt die Gemeinde gruppenweise nach vorne und bildet einen Kreis um den Altar. Wir wechseln gewöhnlich zwischen Wein- und Saftrunden. Achten Sie im Gottesdienst einfach auf die Ansagen. Wenn Sie mit Ihren Kindern am Abendmahl teilnehmen möchten, entscheiden Sie sich entsprechend für eine Saftrunde.

 

Warum?

 

Wie in den Erläuterungen dargelegt möchten wir als gesamte Gemeinde das Sakrament miteinander teilen. Genau wie bei der Taufe richten wir uns nach dem Gebot Jesu, der ausdrücklich sagte:

 

Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht. Denn ihrer ist das Himmelreich!

 

Mehr Informationen zum Abendmahl finden Sie hier:

www.ekd.de/EKD-Texte/abendmahl_2003.html

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