Umgang mit Schuld - Vergebung erfahren!
Die Sündenvergebung und Erlösung zählt zu den Urelementen der Botschaft Jesu Christi. Der älteste Evangelist Markus überliefert nicht zufällig zu Beginn seines Evangeliums als die Kernaussage Jesu die Worte:
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"Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbei gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!"
Wer über Buße und Beichte spricht, muss zuvor von der Sünde wissen. Der Begriff Sünde bezeichnet stets ein Verhalten des Menschen gegenüber Gott. Eine Sünde liegt immer dann vor, wenn der Mensch dem Anspruch und den Anforderungen Gottes nicht gerecht wird in seinem Verhalten Gott oder seinem Mitmenschen gegenüber.
In der Glaubenslehre wurde grundsätzlich unterschieden zwischen Sünde in ihrer wesenhaften Natur:
Erbsünde genannt; ihr ist jeder Mensch allein schon durch seine Existenz unterworfen;
Erlösung erfolgt durch die Taufe.
Sünde in ihrer individuellen Natur:
Es sind jene Sünden, die jeder Mensch im Laufe seines Lebens in freier Entscheidung begeht;
werden unterschieden in Todsünden und lässliche Sünden.
Erlösung erfolgt durch Reue, Beichte und Buße.
In der katholischen Kirche ist ein festes System etabliert, um praktizierenden Christen den Weg aus der Schuldverstrickung zu ermöglichen. Drei Schritte sind dazu absolut notwendig:
Zum ersten muss der Gläubige seine Tat bereuen. Reue ist die Einsicht, gegen Gottes Gebot gehandelt zu haben. Mit anderen Worten: man erkennt seine Schuld und sie tut einem von Herzen leid. Mit dieser Reue im Herzen sucht man die Möglichkeit eines Beichtgesprächs. Die Beichte muss vor einem Stellvertreter Christi, einem Priester erfolgen. Der Schuldige bekennt also seinen Fehler und seine Reue vor dem Priester in einer sog. "Ohrenbeichte". Der Priester vergewissert sich, ob der Schuldige seine Tat auch bereut, vereinbart je nach Schwere der Schuld eine Buße und spricht den Schuldigen dann von seiner Sünde frei. Das ist die sog. Absolution. Es ist auffallend, dass die Themen Buße und Beichte in der Ausübung des evangelischen Glaubens kaum eine Rolle spielen. Für die meisten Menschen sind diese Begriffe in der katholischen Kirche anzusiedeln. Das ist kein Zufall. Geradezu augenfällig sind dort etwa die so genannten Beichtstühle anzutreffen. Sie markieren einen festen Ort, an dem zu verabredeten Terminen das mehr oder weniger anonyme Beichtgespräch mit einem Priester geführt werden kann. Weiterhin sind in Film und Fernsehen immer wieder Filme zu sehen, in denen ein Priester in Konflikt mit dem sog. Beichtgeheimnis kommt. All das hat in unserer Gesellschaft dazu beigetragen, dass die Themen Buße und Beichte als typisch katholisch gelten.
Dem ist nicht so!
Auch die evangelische Kirche kennt die Buße. Das Wort meint in unserem Verständnis die Gesinnung und den Willen zur Umkehr. Auch evangelische Christen sündigen. Natürlich. Und auch evangelische Christen sind darauf angewiesen, sich mit ihren Sünden auseinander zu setzen. Wie bei den katholischen Glaubensgeschwistern setzt das die Fähigkeit zur Einsicht in die eigene Schuld und die Reue voraus. Anders als in der katholischen Kirche stellt die Buße aber keine Leistung dar, die von dem reuigen Sünder erbracht werden muss. Es gibt keinen Katalog mit guten Werken oder Gebeten, die getan werden müssen, um eine bestimmte Sünde wieder gut zu machen. Voraussetzung für die Buße ist nur der feste Glauben und das unerschütterliche Vertrauen darauf, dass Gott uns unsere Schulden vergibt. Wenn man also bereut und an die Vergebung durch Gott glaubt, wird als Folge daraus das eigene Leben einen neuen Verlauf nehmen. Diesen neuen Verlauf nennt man in der evangelischen Glaubenslehre "Umkehr" oder eben auch Buße. Noch einmal: Buße kann nicht "getan" werden. Sie ist vielmehr die Abkehr von der Selbstsucht und der Versuch, die Gesinnung zu ändern.
Was nur wenige wissen: auch in der evangelischen Kirche gibt es die Beichte. Anders als in der katholischen Kirche ist sie zwar kein Sakrament, aber ebenso unabdingbar für die Glaubenspraxis. Der evangelische Christ hat mehrere Möglichkeiten zur Beichte:
- In nahezu jedem Gottesdienst kommt ein sog. allgemeines Sündenbekenntnis vor, auf das dann ein Gnadenspruch folgt. Dieser Gnadenspruch hat die Funktion, den reuigen Christen die Gnade (Begnadigung/Vergebung) Gottes zuzusprechen. Hier erfolgt also die Beichte mit Hilfe eines vorformulierten Gebets und die Absolution durch die Erinnerung an den gnädigen Gott.
- Sie haben jederzeit persönlich die Möglichkeit, sich im Gebet an Gott zu wenden und Ihre Schuld zu bekennen und ihn im Vergebung zu bitten. Machen Sie sich dabei immer bewusst, dass Sie zu unserem Gott beten, der unendlich geduldig mit uns ist und sich über jeden Menschen freut, der seine Fehler erkennt und Hilfe und Trost bei ihm sucht.
- Schließlich haben Sie natürlich genau wie in der katholischen Kirche jederzeit die Möglichkeit, sich mit ihrem Pfarrer/Pfarrerin zu einem Beichtgespräch zu verabreden. Genau wie die katholischen Kollegen unterliegen wir der absoluten Schweigepflicht. Kein Wort von dem, was zwischen Ihnen und Pfarrer/Pfarrerin gesprochen wird, darf nach außen getragen werden. Ggf. dürfen selbst richterliche Befragungen unter Verweis auf das Beichtgeheimnis nicht beantwortet werden. Im Beichtgespräch darf alles erzählt werden, was Ihnen auf der Seele brennt. Ihr Pfarrer/Pfarrerin werden sicherlich versuchen, mit Ihnen gemeinsam einen Weg aus der Misere zu finden. Nicht immer ist das möglich. Jederzeit möglich aber ist auch hier die Lossprechung von den Sünden durch die Absolution, wenn die Fehler der Vergangenheit aufrichtig bereut werden.
Da wir fest glauben, dass Gott uns jederzeit wieder annehmen wird, wenn wir es nur zulassen, müssen wir uns diesen Weg nicht erkaufen durch bestimmte Bußleistungen. Es kann aber durchaus sein, dass die eigene Buße, also die Umkehr im eigenen Leben, zu bestimmten Veränderungen führt, führen muss. Ein gutes Beispiel für eine solche Veränderung, eine Umkehr mit Folgen, ist die folgende Geschichte aus dem Lukas-Evangelium:
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Jesus ging nach Jericho hinein und zog hindurch. Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt.
Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: "Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren." Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: "Bei einem Sünder ist er eingekehrt." Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: "Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück."
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